Sind die Bemühungen um eine ägyptischsyrisch-irakische Föderation schon wieder gescheitert? Am Sonntag ist Syriens neuer Staatspräsident Bitar von einem nasserfreundlichen Mob durch das Flugplatzgebäude von Damaskus gehetzt worden. Die vier Wochen alte Allianz der Baath-Sozialisten und der Nasser-Anhänger in Syrien hat sich als höchst brüchig enthüllt; die Kairoer Verhandlungen über die Dreier-Föderation scheinen zum Scheitern verurteilt zu sein.

Heute sieht es so aus, als ob für Nasser diese Verhandlungen von vornherein ein taktisches Manöver gewesen seien. Er versuchte jedenfalls, einen Keil zwischen Damaskus und Bagdad zu treiben und verhandelte mit den Syrern über einen Zweibund. Im Irak saßen ihm die Männer der Baath-Partei zu fest im Sattel, in Syrien glaubte er sie auf die Unterstützung seiner Anhänger angewiesen. Ministerpräsident Bitar jedoch widersetzte sich Nassers „Einigungsbestrebungen“, die Syrien ein zweites Mal zum Satelliten Ägyptens machen sollten.

Den Vorstellungen von einem pan-arabischen Einheitsstaat mit einem gemeinsamen Parlament nach Kairoer Muster, in dem die Ägypter schon zahlenmäßig eine erdrückende Übermacht bilden würden, setzten die Baath-Sozialisten eigene Vorschläge entgegen: Eine arabische Föderation, in der die nationalen Interessen der Mitgliedstaaten durch eine „zweite Kammer“ nach dem Vorbild des amerikanischen Senats vertreten würden. Nur durch eine solche Lösung glaubt man in Damaskus und Bagdad, bei einem Bund mit dem mächtigeren Nachbarn eine gewisse Autonomie und vor allem die Existenz der Baath-Partei, die in Ägypten verboten ist, erhalten zu können.

Aber Nasser will offenbar keine Kompromisse. Während der ägyptische Staatschef noch mit den Baath-Vertretern verhandelte, ließ er durch Rundfunk und Presse seine Anhänger in Syrien zum Sturz der „Reaktionäre“ aufrufen. Die Mob-Aktion am Sonntag war das Resultat dieser Agitation. K. H.