Von Ortwin Fink

Der Passagier ist das kostbarste Frachtgut in der Seefahrt. Deshalb hat man besondere, Behältnisse eigens für ihn gebaut, Luxusdampfer, schwimmende Hotels, auf denen er von übriger Ladung und von der Besatzung sorgsam separiert wird. Er sieht die großen Häfen und die See, aber nicht das wahre Leben an Bord eines Schiffes. Einer der es wissen muß, der britische Kapitän polnischer Herkunft und große Seeschriftsteller Joseph Conrad, formulierte seine Zweifel: „Spürt ein Passagier überhaupt etwas vom Leben des Schiffes, das ihn ungefähr wie einen vornehmen Ballen höchst empfindlicher Last befördert?“

Wer das wahre Erlebnis der Schiffahrt genießen will, muß auf einem Frachter fahren. Erlebnis der Seefahrt, das ist: Eindocken, Durchschleusen, Laden und Löschen, das ist der genüßliche Anblick ewig rostklopfender und „malender“ Matrosen. Da werden Häfen angelaufen, die nie ein Luxusschiff gesehen haben, die allein, für den Welthandel wichtig sind – etwa Miri, eine kleine Küstenstadt auf der Route zwischen. Singapur und Hongkong, die von den Asienfrachtern allein zur Übernahme von Treibstoff angesteuert wird.

Frachter laufen alle Häfen der Welt an – auf festen Routen, aber auch in „wilder Fahrt“; Das eine sind in der Terminologie der Fachleute die Kombischiffe, die außer der Ladung 12 bis 86 Passagiere aufnehmen können, das andere sind die Frachter der Trampschiffahrt, die man auch „wilde Fahrt“ nennt, weil sie oft keine festen Routen hat, sondern mitunter noch während der Reise je nach Angebot neuer Ladung ihr Ziel ändern.

Ein anderer Unterschied liegt in den strengen Bestimmungen der Schiffahrt: daß Schiffe mit mehr als zwölf Passagieren einen Arzt an Bord haben müssen. Wer indessen darauf verzichten kann, sich die Kopfschmerztablette gleich vom studierten Mediziner zu holen, dem sei ein solches Schiff empfohlen. Allerdings lehnen einige Reedereien wegen des fehlenden Schiffsarztes insbesondere in der Überseeschiffahrt die Buchung von kleinen Kindern, Passagieren über 65 Jahren, gebrechlichen Personen und werdenden Müttern ab. Indessen erfreut man sich, wo der Arzt fehlt, doppelt des Stewards; er kann sich intensiv wie sonst nirgendwo um die Passagiere kümmern. Hier wird der Steward zum Kammerdiener.

Übrigens bieten die Frachter den Passagieren verhältnismäßig mehr Platz als die Musikdampfer; ihre Geselligkeit hat nicht den Rahmen großen Arrangements, sondern klubartiger Atmosphäre. So werden zum Beispiel auch die Mahlzeiten mit Kapitän und Offizieren gemeinsam im Speisesalon eingenommen.

Heute sind solche Ferien auf Trampschiffen und Kombifrachtern beliebter denn je. Deshalb auch treffen bei Reisebüros und Reedereien die Kabinenvorbestellungen mitunter schon ein Jahr vor der Abfahrt ein, ohne daß Schiff, Preis, Termin und Ziel genau feststehen. Man muß imstande sein, „Ferien auf Abruf“ zu machen. Allerdings bieten diese Unsicherheitsfaktoren den Vorteil, mitunter selbst noch in der Hauptreisezeit kurzfristig zu buchen, weil Trampschiffreisen oft erst eine bis zwei Wochen vorher bekannt werden.