Von Joachim Joesten

Wenn man von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Sahara spricht, denken die meisten in erster Linie an das Erdöl, das dort vor einigen Jahren gefunden worden ist und das zu großen Erwartungen Anlaß gegeben hat. Diese sind allerdings nur zum Teil in Erfüllung gegangen. Tatsächlich belief sich die gesamte Erzeugung der drei bisher entwickelten Erdölgebiete – das sogenannte Polignac-Ge biet mit dem bekannten Edjeléh-Feld; das Gebiet von Hassi Messaoud und das Gebiet von Hassi R’Mel – im Jahre 1962 nur auf 26,5 Mill. Tonnen. Das ist erheblich weniger, als man noch vor ein paar Jahren gehofft hatte.

Für 1963 ist eine Gesamtproduktion in Höhe von 24,0 Mill. Tonnen geplant. Ob dieses Ziel erreicht werden wird, dürfte in erster Linie davon abhängen, wann es gelingt, die durch Sabotage im Frühjahr 1962 ausgefallene Pumpanlage im Norden des Landes wieder, betriebsfähig zu machen.

Während also die Erdölausbeute bisher eher enttäuschend war, sind die Funde von Erdgas, die besonders in der Gegend von Hassi R’Mel gemacht worden waren, bestätigt und wissenschaftlich gemessen worden. Dabei ergab sich die erstaunlich hohe Schätzung von 2500 Milliarden Kubikmeter Erdgas in den bisher erforschten Gegenden. Das würde bedeuten, daß die Erdgasvorräte der Sahara in der Weltrangliste die zweite Stelle einnehmen; man kann also mit Fug behaupten, daß der jungen Republik Algerien in der Sahara eine Schatzkammer von unermeßlichem Reichtum zur Verfügung steht.

Um aber die reiche Morgengabe, die dem jungen Staat von der Natur in die Wiege gelegt worden ist (und die erst von den Franzosen in jahrelanger mühsamer Forschungsarbeit ans Tageslicht gebracht wurde), in vollem Umfang nutzbar machen zu können, braucht Algerien dreierlei Arten von Hilfe:

1. Umfangreiche Kredite oder aber sehr beträchtliche Investitionen von Seiten der privaten Ölgesellschaften;

2. Mitarbeit erfahrener Techniker und Ingenieure;