Das italienische Wahlrecht kennt keine Briefwahl. Wollen die rund 220 000 derzeit in der Bundesrepublik beschäftigten italienischen Gastarbeiter ihr Wahlrecht anläßlich der auf den 28. April festgesetzten Parlamentswahlen ausüben, so müssen sie sich folglich an ihre Heimatorte begeben. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf vollen Touren.

Die italienische Staatsbahn gewährt den Wahllustigen freie Fahrt ab Grenze und einzelne Parteien sollen sogar dazu übergegangen sein, ihren im Ausland beschäftigten Anhängern Freifahrtscheine für die ausländische Teilstrecke zuzuschicken. Was bleibt, angesichts solcher Verlockungen, der Bundesbahn anders übrig, als ein Sonderzugprogramm abzuwickeln; 60 bis 70 solcher Transporte sollen am 25. und 26. April je 1000 Mann gen Süden befördern, 60 % der veranschlagten Italienfahrer werden die Regelzüge benutzen.

Der größte Teil der italienischen Arbeitskräfte wird somit voraussichtlich zu Beginn der Saison, und kaum daß die Wirtschaft begonnen hat, nach dem harten Winder wieder auf vollen Touren zu laufen, einen Frühjahrsurlaub einlegen. Zwar will die Bundesbahn den Rücktransport am 29. und 30. April abwickeln, doch ist kaum zu erwarten, daß die Mehrheit der Heimatfahrer sich mit einer viertägigen Arbeitspause begnügen wird, zumal der italienische Freifahrtschein bis zum 21. Mai Gültigkeit besitzt.

Unter Hinweis auf die ungetrübten deutschitalienischen Beziehungen wird den Arbeitgebern aus Bonn bedeutet, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Für viele Betriebe ist das jedoch leichter gesagt als getan. Denkt man an Automobilfirmen, die 2000 und mehr Italiener beschäftigen, dann drohen hier die Wahlen in Italien Ferien in deutschen Betrieben zu erzwingen. Man sollte meinen, daß um eben der ungetrübten Beziehungen und der fortschreitenden europäischen Integration willen Italien sein Wahlrecht ändern sollte. -en