DIE ZEIT

Maßlos

Das CDU-Parteipräsidium hatte einen beschwörenden Appell erlassen, auf „propagandistische“ Ausgabenanträge, welche Währung und Konjunktur gefährden, zu verzichten.

Fatale Fronten

Es gibt zur Zeit zwei verschiedene Gesellschaftsspiele in der Bundesrepublik. Bei dem einen können alle mitmachen, Erwachsene und Kinder.

Nicht nur die alte Platte

Der amerikanische Außenminister Rusk und Sowjetbotschafter Dobrynin haben einander bei ihrem ersten Berlin-Gespräch nach langer Zeit doch nicht nur die „alte Platte“ vorgespielt.

Bleibt Adenauer länger?

Ist alles, was bisher über den voraussichtlichen Rücktrittstermin des Bundeskanzlers bekanntgegeben wurde, neuerdings wieder in Frage gestellt? In der CDU/CSU wird von einer vorläufig wohl nur kleinen Gruppe offen die Frage diskutiert, warum Adenauer eigentlich im Herbst das Bundeskanzleramt niederlegen solle.

Der SPD-Trend

Über ein Jahrzehnt lang hat die CDU ihre führende Stellung in der Bundesrepublik fast unangefochten gehalten. Sie profitierte von der Regel: Nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg.

Das Bonner Dilemma

Der deutsch-französische Vertrag steht unter einem unglücklichen Stern. Schon die Unterzeichnung in Paris, kurz nach jener Pressekonferenz, in der de Gaulle den Engländern die Tür zu Europa vor der Nase zuschlug, und wenige Tage vor dem Zusammenbruch der Brüsseler Verhandlungen, hat der Bundesrepublik in Amerika und Großbritannien viel Ärger eingetragen.

Zeitspiegel

„De Gaulles hochmütiges Non hat der Erkenntnis gedient, daß die Zeiten vorüber sind, da französische Ministerpräsidenten noch zur amerikanischen Botschaft zu spazieren pflegten, um zu fragen, was sie als nächstes tun sollten.

McNamara unter Beschuß

Streit um den neuen Jagdbomber – Vertraut der US-Verteidigungsminister zu sehr den Rechenmaschinen?

Wehrdörfer in Vietnam

Die geduldigsten und schweigsamsten Akteure im vietnamesischen Drama sind die Reisbauern. Seit vierzehn Jahren sehen sie schicksalsergeben zu, wie Soldaten durch ihre Dörfer ziehen und ihre Felder zertrampeln: französische Legionäre, politisch-religiöse Freibeuter, Vietminb-Nationalisten, Vietkong- Terroristen und nun die Truppen des Präsidenten Diem mit ihren amerikanischen Beratern.

Gespräch mit einem Gaullisten

Wir setzen hier die Niederschrift der Unterhaltung mit einem Franzosen fort, die wir geführt haben, um unseren Lesern die Möglichkeit zu geben, den gaullistischen Standpunkt sozusagen aus erster Hand kennenzulernen.

Dreimal geschlagen

In zwei Wochen haben die Konservativen drei Nachwahlen verloren. Zwar hatten die Tones von vornherein keine Aussicht, die traditionellen Labour-Sitze in Bergwerks- und Industriegebieten – Colne Valley, Rotherham und Swansea East – zu erobern, aber die Niederlagen waren schwerer als erwartet und in Swansea einfach schmählich.

Die geheimen Bereiche in der Demokratie

Woodrow Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten während des Ersten Weltkrieges, hatte in seinem Friedensplan 1918 die Abschaffung der Geheimdiplomatie verlangt.

„Der Tiger ist hungrig“

In Seoul geht der „Tiger“ um. Der Tiger – damit meinen die Südkoreaner den Typ jenes jungen, energischen, machtbesessenen Offiziers, der die Gewalt, mit der er über die asiatische Halbinsel herrscht, nicht aus den Händen geben will.

Unruhe am Goldenen Horn

Der achtzigjährige ehemalige Präsident Celal Bayar, der 1961 erst zum Tode, dann zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden war, durfte kürzlich das Gefängnis verlassen.

Arabische Scherben

Sind die Bemühungen um eine ägyptischsyrisch-irakische Föderation schon wieder gescheitert? Am Sonntag ist Syriens neuer Staatspräsident Bitar von einem nasserfreundlichen Mob durch das Flugplatzgebäude von Damaskus gehetzt worden.

Das Sturmzentrum in Zentralafrika

Die britische Regierung hat offiziell das Recht Nordrhodesiens anerkannt, aus der Zentralafrikanischen Föderation auszuscheiden.

Falscher Alarm am Himalaja?

Die indische Öffentlichkeit ist über den verstärkten Aufmarsch der chinesischen Streitkräfte an der Himalaja-Grenze beunruhigt.

Gesetz aus einem Guß

Der Entwurf des neuen Strafgesetzbuches ersetzt nicht das Strafrecht noch ein „Maßnahmenrecht“, sondern bleibt dem überlieferten Schuldstrafrecht treu.

Sind unsere Vorstellungen von Gott veraltet?

Fragen wie die nach Gott dem Vater (falls die Metapher erlaubt ist), der da sei im Himmel (was immer in solchem Zusammenhang unter „Himmel“ verstanden werden mag), qualifizieren sich normalerweise nicht als „Zeitfragen“: Sie werden in die Rubrik „Ewigkeitsfragen“ abgeschoben und – nicht behandelt.

Rundfunk, Fernsehen, Presse

Es ist ein Zeichen gesunder Entwicklung, wenn in der Bundesrepublik seit Jahren ein lebhaftes Gespräch über Rundfunk und Fernsehen geführt wird.

Am Donaukai

Am Pester Donaukai warteten etwa dreißig oder vierzig Frauen vor dem langgestreckten Lagerhaus der Erdölaktiengesellschaft Shell.

Bücher nicht zum Lesen

Die Grenzen der Bibliophilie, an denen du Buch aufhört, „etwas zum Lesen“ zu sein, und zum Vitrinenstück wird, zeigten sich anschaulich an den „Modernen Französischen Illustrierten Büchern“ aus der Sammlung Maurice Goldman die am 2.

Wie sieht es im Ausland aus?

Für diese Situation haben die Rundfunkanstalten Verständnis. Die Rundfunkanstalten sind mit den Verlegern einer Meinung, daß eine wirtschaftlich gesunde und publizistisch vielseitige Presse für unser Staatswesen unerläßlich ist.

Brief aus dem Rheinland (VII)

Aber ich habe jetzt in einem Bonner Vorort einen netten Rektor gefunden, der es mit mir „versuchen will“. Ein lieber Mensch, der merkwürdigerweise nicht Hauptmann der Reserve, sondern nur Hauptfeldwebel war.

Sterben wegen Frauen?

Gerade aber wenn es um die Wahrheit geht, kann ich hart und unerbittlich sein. Ich werde jetzt viele Frauen kränken, wenn nicht gar vor den Kopf stoßen, weil ich der Wahrheit die Ehre gebe und eine Legende entlarve, der auch ich jahrelang aufgesessen bin.

Unsere Sprache: Triumph der Stärke

Soll man den Umstand, daß der deutsche Mann heute vorzugsweise „mit“, nämlich gefiltert raucht, als Zeichen dafür nehmen, daß er starken Tobak nicht mehr verträgt oder ihn sich zumindest nicht mehr zutraut – auch wenn er seinen abendlichen Skat absolviert? Das Starke, es ist ihm offenbar nicht mehr so ganz geheuer, liegt vielleicht auch nicht mehr so recht in seiner Art; denn nur das, so möchte man meinen, kann der Grund dafür sein, daß allenthalben so nachdrücklich Stärke gefordert wird.

In der Mitte der Dinge die Trauer

Er ist seit langem krank; die Zeitschrift, die er fünfzehn Jahre lang mit Beharrlichkeit und Eigensinn geleitet hat, ist ihm genommen, und wenn sie, was fraglich bleibt, in anderer Regie doch noch weitererscheinen sollte, wird sie seine Absichten geflissentlich verleugnen müssen; denen, die in seinem Teil Deutschlands die Macht besitzen, ist er als „Wanderer zwischen den Welten“ verdächtig, und er muß es sich gefallen lassen, von energischen Dummköpfen abgekanzelt zu werden; im anderen Teil Deutschlands schwankt man zwischen Mißtrauen und einem etwas zu lauten Bedauern – das eine gilt dem Mann, der einem gefürchteten Regime jahrelang erlaubte, mit seinem Namen zu renommieren, das andere dem, der in Ungnade fiel; gesamtdeutsch ist nur der Umstand, daß man ihn als politische Figur zur Kenntnis nimmt, beschimpft oder ausnutzt, nicht aber als den, der er vor allem anderen ist – als Dichter.

Zeitmosaik

Den vorläufigen Schlußstrich unter die offenbar heftigen Auseinandersetzungen, die in den zwei Monaten seit dem letzten Parteitag der SED zwischen Schriftstellern und Partei geführt wurden, zog der Genosse Kurt Hager, Mitglied des Politbüros, in einem schwerfälligen, grollenden, von ödem bürokratischen Pathos geschwellten Referat auf einer „Beratung des Politbüros des Zentralkomitees und des Präsidiums des Ministerrates mit Schriftstellern und Künstlern“ (abgedruckt im Neuen Deutschland vom 30.

Jewtuschenkos Selbstkritik

Wieder einmal steht die Sowjetunion im Zeidien einer großen Kampagne. Diesmal aber geht es nicht um Produktionssteigerungen, sondern um eine Auseinandersetzung zwischen dem Parteiapparat und jenen Schriftstellern und Künstlern, die in den letzten Monaten in ihren Werken „zu weit“ gegangen sind.

Kleiner Kunstkalender

Der Berliner Maler Manfred Bluth, Jahrgang 1926, zeigt in der Galerie Bassenge „Romantische Bilder“ aus den Jahren 1953–1963.

Auch hier könnte ...

Die Außenpolitik der neuen amerikanischen Regierung zielt darauf ab, aus der Unbeweglichkeit, aus der rein defensiven Haltung gegenüber der Sowjetunion herauszukommen.

Film

„Kagi“ (Japan; Verleih: Warner): Aus Japan kommt hier ein kinematographisches Kunstprodukt zu uns, das in seiner dekadenten Subtilität wie die Hervorbringung einer müden, übersättigten und ihrer selbst überdrüssigen Gesellschaft anmutet.

Keine Ahnung von Kunst und wenig vom Geschäft

Nicht gerade selten geben einem die bundesdeutschen Filmverleihpraktiken und die Ignoranz der Filmtheaterbesitzer Anlaß zum Verdruß, doch diesmal ist der Ärger so groß, daß er nicht hinuntergeschluckt werden soll.

Mittwoch, 27. März, das Hörspiel:: „Grenzgänger“

Ein alter und ein jüngerer Mann, Vrazil und Liska, beide Emigranten, spielen in einem Wiener Caféhaus. Sie spielen nicht Tarok, nicht Schach, sie spielen das selbsterdachte, immer neu und immer anders zusammenphantasierte Endlichwieder-nach-Hause-kommen-Spiel.

Theater

Auch diese Neufassung der Oper „König Hirsch“ dauert mit Pausen, vier Stunden. Das ist zu lang, weil das Libretto Heinz von Cramers die Gestalten und Symbole der alten Märchenkomödie des Grafen Gozzi dramatisch nicht zu präzisieren vermag.

Fernsehen: Walter Henns letzte Arbeit

Fast gleichzeitig mit der Beisetzung Walter Henns ging die letzte Fernseh-Arbeit dieser größten Regie-Begabung des deutschen Theater-Nachwuchses über den Bildschirm: seine Realisierung der Gogolschen „Spieler“ für das Fernsehen.

Unser Seller-Teller März 1963

Die Buchhandlungen, deren Angaben wir unseren Seller-Teller verdanken, waren sich diesmal wenig einig über die meistverkauften Bücher des Monats März.

Auf der Strecke geblieben

Tausendundeine Nacht erzählte Scheherazade ihrem Herrn und Gebieter Schehrijär Geschichten, und er schlief nicht ein einziges Mal darüber ein.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Band 1 die „großen“ Romane. „Die Kraft und die Herrlichkeit“ (The Power and the Glory), „Das Herz aller Dinge“ (The Heart of the Matter), „Das Ende einer Affäre“ (The End of the Affair); Band 2 die „Unterhaltungsromane“ „Orient-Expreß“ (Stamboul Train), „Das Attentat“ (A Gun for Sale), „Jagd im Nebel“ (The Confidential Agent), „Zentrum des Schreckens“ (The Ministry of-Fear); zu jedem Roman eine neue, von Greene eigens für die deutsche Ausgabe geschriebene Einleitung.

Nachruf auf eine sterbende Sprache

Im Jahre 1916 veröffentlichte Dr. Hermann Strack ein jüdisches Wörterbuch für nichtjüdische Deutsche in Osteuropa; es erschien in einem Leipziger Verlag in hebräischer Schrift.

Chronik der Rechtsentwicklung

„Juristen-Jahrbuch“, unter Mitarbeit des Deutschen Juristentages, des Deutschen Richterbundes, des Deutschen Anwaltsvereins, der Bundesnotarkammer und von Angehörigen der juristischen Fakultäten und der Justizministerien, herausgegeben von Prof.

In meinen Versen knurren sie

Das „bißchen Wirklichkeit wird weniger und weniger“, seufzt der Poet – und darum nimmt er die Mühsal auf sich, in dieser schmalen, zerstörten und sich selbst zerstörenden Wirklichkeit sich einzurichten, sie mit dem Kitt der Wörter beständiger zu machen für die Stürme, die er erwartet, für die Selbstaufgabe, die er kennt.

Ein reiches Jahrhundert

"Quattrocento", der zweite Band der "Pittura Italiana", dieser köstlichen und dementsprechend kostspieligen Buchreihe des Mailänder Verlegers Aldo Martello (deutsche Ausgabe im Bruckmann’ Verlag, München, 204 Seiten, 135,– DM), ist erschienen, ebenso schön und anspruchsvoll ausgestattet wie sein Vorgänger ("Romanik und Gotik"), ein idealer Führer durch dieses überreiche Jahrhundert italienischer Malerei, durch seine Kunstprovinzen.

Der Neger findet seinen Stolz

Gibt es für uns noch fremde Lyrik? Die neuen Dichter Afro-Amerikas zum Beispiel, deren Gedichte seit etwa sieben Jahren in Übertragungen bei uns erscheinen – wir haben sie schon in die Klasse der Neo-Expressionisten und der Surrealisten aufgenommen.

Alter Mann und junge Frau

Eine junge, reizvolle, reichlich hysterische Amerikanerin verbringt zwanzig ereignisreiche Jahre (1921 bis 1941) in Europa. Sie versucht sich als Schauspielerin und Malerin; lebt in London, auf einer der Borromeischen Inseln, in Rom; verkehrt mit Botschaftern und Herzoginnen; kennt die High Society im faschistischen Rom von den Cianos abwärts und erlebt auch noch die ersten Kriegsjahre, mit all ihren politischen Komplikationen, in Italien.

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