Zukunftsstädte in der Wüste

Von Eka von Merveldt

Los Angeles, Anfang April

Die nicht mehr junge Businesslady mit leuchtend weißem Federhut und grellrotem Kleid will mir ein Grundstück verkaufen. In ihrem breiten Traumwagen fahren wir durch ein weites Wüstengelände. Eine Kirche der Congregations-Gemeinde ist in dem sandigen Nichts ein Anker für die Augen. Ihre exotischen Türme sehen wie modische Schirme aus. Aber die Miß mit dem Federhut erklärt: „12. Jahrhundert“. Chinesischer Einfluß? Sie weiß es nicht. Ein gekurvtes Gewässer liegt an unserer Straße. „Das ist künstlich, Plasticgrund. Hat eine Million gekostet. Dafür hat es auch eine kleine Insel bekommen mit einem Fischteich, mit einem Recreation-Center und allen möglichen Freuden für den Wassersport.“ Acht Hektar groß ist dieser See. Ein paar Meilen weiter ein Postamt, ein Supermarket, ein Motel und am anderen Ende dieser Wüste, 240 Kilometer zog sich die Straße hin, ein Restaurant mit Swimmingpool. „Wer ein Grundstück kaufen will, sollte sich beeilen“, bedeutet mir die Lady mit dem Federhut. „Man legt sein Geld gut an in California City.“

California City – so heißt das Wüstengelände, durch das wir eben fuhren, das Gelände der Zukunftsstadt nördlich von Los Angeles, die einmal 250 000 Menschen Platz bieten wird. 500 Einwohner zählt sie schon, die anderen kommen bald. Für je 4900 Dollar gibt es noch drei Parzellen am Central Park Lane. Aber ich will kein Grundstück, ich suche ja nur Informationen, doch die Lady im weißen Federhut macht in big business. Jeder Amerikaner im Westen versucht sich in Bodenspekulationen. Und in California City legt man sein Geld gut an. Man muß nur warten können.

„California City a Community for tomorrow grows on the high desert – if Los Angeles becomes too crowded a place to go “ – so steht es in den Zeitungen, und so tönt es aus dem Radio. Durch eine Hügelkette ist die Zukunftsstadt von Los Angeles noch getrennt. Eines Tages soll ein Tunnel die Verbindung herstellen, und eine unendliche Stadtlandschaft wird entstehen. Als ich vor zehn Jahren zum erstenmal in diese südkalifornische Megapolis kam, zog sich die Stadt in einer Senke am Pazifik über 96 Kilometer von Norden nach Süden hin. Heute bedeckt sie ein Gebiet, das so groß wie Schleswig-Holstein ist: 160 Kilometer messen die Straßen der Stadt.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte Kalifornien so leere Räume, daß der Staat, um Menschen anzulocken, Land verschenkte. Als man Los Angeles baute, vergeudete man viel Platz, und auch jetzt denkt noch niemand daran, daß man damit sparsam umgehen sollte. Los Angeles ist die erste und nach Kiruna die ausgedehnteste Stadt der Welt (mit sechs Millionen Einwohnern die zweitgrößte in den Vereinigten Staaten), die ohne ein Zentrum für Menschen mit Autos entstanden ist. Der Besucher wird irritiert, weil die öffentlichen Verkehrsmittel weite Gebiete der Stadt nicht erreichen und Taxifahrten bei den großen. Entfernungen teuer sind.