BERLIN (Galerie Gerda Bassenge): „Bluth“

Der Berliner Maler Manfred Bluth, Jahrgang 1926, zeigt in der Galerie Bassenge „Romantische Bilder“ aus den Jahren 1953–1963. Ein großes parodistisches Talent, ein malender Robert Neumann, der brillant und geistreich „mit fremden Pinseln“ arbeitet. „Die Toteninsel“ nach Böcklin und „Das Floß der Medusa“ nach Géricault, eine Sepia- und Tuschezeichnung der „Überfahrt am Schreckenstein“ nach Adrian Ludwig Richter. Gewissenhaft und seriös werden Szenerie und Figuren aus den Vorbildern übernommen. Was dabei herauskommt, ist alles andere als Kopie, ist Eigengewächs, ironische Spiegelung. Die deutsche Spätromantik, die biedere Idyllik des alten Richter bieten reichen Stoff für einen Künstler, der ihre Absurdität, ihren surrealistischen Spuk ans Licht bringen will. Wenn der Maler beim Malen seine parodistische Absicht vergibt, wenn das romantische Motiv – die Montserrat-Landschaft oder Cézannes berühmter Mont Sainte-Victoire oder die Gärten von Boboli – ihn überwältigt, wenn der Maler, der auf den Spuren der Romantiker wandelt, selber zum Romantiker wird, dann malt und zeichnet er nicht wie dieser und jener Meister, sondern wie Manfred Bluth. Die Ausstellung endet am 14. April.

MÜNSTER (Westfälischer Kunstverein): „Hajek“

Der Stuttgarter Bildhauer Otto Herbert Hajek war mit seinen „Raumknoten“ seit 1955 auf vielen deutschen und internationalen Ausstellungen. Das Ergebnis komplizierter Überlegungen und einer bemerkenswerten manuellen Begabung sind Gebilde aus Bronze, ein lockeres Gestänge, ein Skelett, das mit einer zerfetzten, körnigen, porösen „Haut“ bekleidet ist. Sehr unruhig konstruierte, bis zwei Meter in die Höhe schießende Formen, die mit Krusten, Zinken und Spitzen ins Leere greifen. Hajek will seine Plastik zwar auf den Menschen bezogen wissen, „die Plastik antwortet ständig dem Beschauer, weil sie sich ihm immer neu zeigt, je nachdem wie der Beschauer sich ihr nähert“. Aber da die Bronzen nichts beinhalten und nichts bedeuten wollen außer ihrer formalen Existenz, bleiben Frage und Antwort im luftleeren Raum. Die Ausstellung, die vorher in der Bremer Kunsthalle gezeigt wurde, umfaßt gut vierzig Arbeiten aus den Jahren 1956 bis 1960 und dauert bis zum 13. April.

HAMBURG (Altbau der Kunsthalle):

„Neue Gruppe“

Eine „Neue Gruppe“ hat sich in Hamburg konstituiert. Nach dem stillen Ende der ehemals berühmten Hamburger Sezession ist dies der erste ernsthafte Versuch, daß Hamburger Künstler sich zusammenschließen. 22 junge und jüngere Maler und Bildhauer sind dabei, aus den Jahrgängen 1920 bis 1940. Was an ihrer ersten Ausstellung – bis zum 7. April – einigermaßen irritiert, ist das außerordentlich unterschiedliche Niveau. Einige sind auch außerhalb Hamburgs bekannt: die Bildhauerin Ursula Querner, die Maler Gerhard Ausborn, Wolf Buchholz, Jens Cords, Hans Sperschneider, der Maler und Schreibmeister Werner Bunz. Im Gegensatz zu anderen Künstlergruppierungen ist die „Neue Gruppe Hamburg“ satzungsgemäß auf keine bestimmte Kunstrichtung festgelegt. Sie haben kein „Programm“, sie vertreten keine künstlerische Ideologie. Es gibt unter ihnen ausgesprochen realistische Stillebenmaler, Abstrakte, Halbabstrakte, Strukturisten, Informelle. Sie wollen eine friedliche künstlerische Koexistenz praktizieren. Daß sie sich gegen den Ausschließlichkeitsanspruch irgendeiner Richtung wenden, ist sympathisch. Im übrigen verfolgt ihr Zusammenschluß den praktischen Zweck, „sich gemeinsam wirksamer der Öffentlichkeit zu präsentieren”. g. s.