Wunschkinder? Sagen Sie lieber Gewöhnungskinder“ – Ledige Frauen fanden eine Unterkunft

In einem Frankfurter Neubau mit zwölf Wohnungen dürfen keine Männer leben. So steht es im Mietvertrag. Nur Frauen ist es erlaubt, hier zu wohnen, Müttern mit ihren unehelichen Kindern. Zwar ist den Männern der Zutritt nicht verwehrt, doch sogar als Gäste sind sie selten, „Unbefugte“ sozusagen, die nichts zu suchen haben in den kleinen Wohnungen mit anderthalb Zimmern, Küche und Bad auf dreißig Quadratmetern.

„Wir bleiben lieber unter uns ...“, sagt Frau W., und es klingt recht forsch. „Oder glauben Sie, uns läuft am Ende doch noch ein Mann über den Weg?“

Die Frauen, die in diesem Mietshaus für ledige Mütter leben, scheinen glücklich und zufrieden zu sein, daß sie etwas für sich haben und ihre Kinder bei ihnen sind. „Hätte ich meinen Jungen nicht bald gekriegt, ich glaube, er wär’ mir für immer weg gewesen“, erzählt eine von ihnen. „Zuerst, gleich nach der Entbindung, habe ich den Kleinen bei mir gehabt. In einer Mansarde, acht Quadratmeter groß, ohne Bad, ohne Ofen, ohne Wasser. Nur nicht in ein Heim, hab’ ich mir gesagt. Ich hatte ja noch meine Stellung, eine Nachbarin paßte auf das Baby auf. Aber dann wurde ich schwerkrank, und der Bub kam doch in ein Heim. Es war schrecklich!“

„Aber, nicht wahr: Hätten Sie ihn im Heim gelassen, dann wäre das Leben sicher leichter für Sie?“ Die Frau – sie ist vierzig; die meisten sind hier zwischen Anfang Zwanzig und Ende Dreißig – lächelt nur und schüttelt den Kopf: „Meines ist nämlich so etwas wie ein .Wunschkind’, jetzt oder niemals mehr, habe ich mir gedacht. Bei den anderen Frauen hier ist das wohl anders ...“

Die Nachbarin vom gleichen Stockwerk ist hereingekommen. „Von Wunschkindern“, sagt sie, „wollen wir lieber nicht reden. Aber ‚Gewöhnungskinder‘ ist schon besser. Jetzt nämlich könnte es keine mehr weggeben.“

Sie möchte das gern noch näher erklären. Alle Frauen in diesem Hause wollen es näher erklären, wie es kam, und wie es heute ist. „Wir führen doch jetzt ein sehr, sehr geordnetes Leben...“, erklärt eine so, als müßte sie sich gegen einen „Makel“ wehren.