Es ist den Hypothekenbanken zur Gewohnheit geworden, von einem „befriedigenden Geschäft“ zu sprechen, wenn Rekorde erzielt werden. Welche Zensuren will man geben, wenn das Geschäft einmal weniger hektisch wächst, stagniert oder gar rückläufig sein sollte?

Auch die Süddeutsche Bodencreditbank, München, die im Mehrheitsbesitz der Bayerischen Vereinsbank, München, und des Bankhauses Merck, Finck & Co., München, ist, kann wie alle Hypothekenbanken bei der Notengebung nicht über ihren eigenen Schatten springen. Sie glaubt im Geschäftsbericht nicht mehr sagen zu können, als daß „sich unser Geschäft wiederum befriedigend entwickelt hat“. Dabei weist das Institut an späterer Stelle des Berichtes nicht ohne Stolz darauf hin, daß die ausgezahlten 130 Mill. DM für Hypotheken- und Kommunaldarlehen für die Bank eine nie erreichte Rekordziffer darstellen und man in das neue Jahr mit Auszahlungszusagen von rd. 120 Mill. DM gegangen ist.

Auch die Ertragslage hat sich trotz der Einengung der Zinsmarge infolge des Wettbewerbs mit Sparkassen und Versicherungen weiter verbessert. Der Saldo zwischen den Aktiv- und Passivzinsen hat sich bei ausgedehntem Geschäft weiter vergrößert und eine von 2,0 auf 2,5 Mill. DM erhöhte Rücklagenzuweisung gestattet. Da die Rücklagen, die Ende 1961 noch 17,6 Mill. DM betrugen, außerdem durch das Agio aus der Kapitalerhöhung gespeist worden sind (2,2), wuchsen sie bis Ende 1962 auf 22,3 Mill. DM. Mithin dürfte das Zweifache des Aktienkapitals von 12,5 Mill. DM am Ende des nächsten Geschäftsjahres erreicht sein.

Der Bank ist es auch nicht schwergefallen, den Mehrbetrag von 0,38 Mill. für die unveränderte Dividende von 15 % auf das von 10 auf 12,5 Mill. DM erhöhte Grundkapital zu erwirtschaften. Denn in den 2,73 Mill. DM, die als Rechnungsabgrenzungsposten in der Bilanz gemäß dem neuen Hypothekenbankgesetz passiviert worden sind, stecken noch ansehnliche stille Reserven, die in den nächsten Jahren gewinristeigernd aufgelöst werden. Wäre dieser Saldo (der leider im Bericht nicht erklärt wird) im Geschäftsjahr voll in die Gewinnrechnung eingestellt worden, hätte der offen erkennbare Gewinn 7,09 Mill. DM erreicht. Das entspräche rund 57% des Aktienkapitals!

Unternehmen, die solche Renditen erzielen, dürfen mit ihrer geschäftlichen Tätigkeit sicherlich sehr zufrieden sein und für den Hausgebrauch bessere Noten verteilen, als sie im Geschäftsbericht zu lesen sind. W. W.