Aber die Gewinne entsprechen nicht der UmsatzentwicklungDie 16prozentige Dividende des niederländischen Konzerns N. V. Philips’ Gloeilampenfabrieken Eindhoven (Holland) ist sozusagen schon Tradition geworden. Zum vierten Male schlägt das weltweite, vorwiegend im Bereich der Elektroindustrie tätige Unternehmen seinen Aktionären eine Barausschüttung von16 % auf Stamm- und 8 % auf Vorzugsaktien vor. Gleichzeitig wird aber auch wieder die freundliche Übung der sogenannten Stockdividende beibehalten: Philips schüttet zusätzlich einen Bonus zu Lasten der Agiorücklage an die Stammaktionäre und l % an die Inhaber von Vorzugsaktien aus. Der Bonus als Ergänzung zu der, wenn auch stetigen, so doch nicht eben übertriebenen hohen Dividende sichert der Philips-Aktie eine nicht nur im Branchenvergleich ungemein günstige Rendite

In der Pressekonferenz über den Abschluß des Geschäftsjahres 1962 ließ die Eindhovener Verwaltung durchblicken, daß die 16prozentige Bardividende aller Voraussicht nach auch im laufenden Jahr wieder erwartet werden könne; ein wenig mehr Zurückhaltung wurde indessen bei der Frage nach der Beibehaltung der Stockdividende geübt. In dieser Hinsicht müßten andere Überlegungen in den Vordergrund gestellt werden, erklärte Prof. Goudeket Vom niederländischen Stammhaus des Konzerns. Durch den Bonus erhöhe sich jeweils für das kommende Jahr das dividendenberechtigte Kapital – dessen Verzinsung – im Sinne der Philips-Tradition also mit 16 % – gewährleistet sein müsse.

Im Berichtsjahre ist das Grundkapital der Gesellschaft auf 875 Mill. hfl Stammaktien und 144 Mill. hfl Vorzugsaktien angestiegen; davon entfallen 153,8 Mill. Gulden auf die reguläre Kapitalerhöhung vom vergangenen Juni, und immerhin 35,7 Mill. auf den vorangegangenen Bonus des Geschäftsjahres 1961. Im laufenden Geschäftsjahre erhöht sich das zu verzinsende Grundkapital allein durch den Bonus um rund 44 Mill. Gulden. Dieser schöne Brauch ist naturgemäß eine Hypothek für den künftigen Dividendenbetrag. Es wäre aber sicher übertrieben, aus den Ausführungen der Konzernleitung bereits einen begründeten Pessimismus heraushören zu wollen. Nur ist es durchaus nicht zu verkennen, daß auch die Philips-Gruppe ein Lied von relativ sinkenden Erträgen zu singen weiß. Was im nationalen Bereich für nahezu alle Branchen gilt, wird auch bei diesem internationalen Konzern offenbar: Auf den Märkten operiert das Unternehmen mit gutem Erfolg, die Expansion geht zügig weiter. Aber die Ertragsentwicklung hinkt hinter dem Tempo der Geschäftsausweitung her.

Das Geschäftsjahr 1962 stand für den niederländischen Elektrokonzern im Zeichen einer kräftigen Expansion auf allen Märkten. Mit einer Umsatzzuwachsrate von 12 (4) % stieg das Umsatzvolumen auf 5,5 (4,9) Mrd. hfl. Eine absolut höhere Steigerung hat es bei Philips bisher nicht gegeben; die Erwartungen der Verwaltung seien übertreffen worden, hieß es in der Pressekonferenz. Eine Umsatzaufgliederung nach den verschiedenen Interessenbereichen gibt die sonst bemerkenswert offenherzige Unternehmensleitung nicht. Nach wie vor jedoch ist – so wird versichert – das Rundfunk-, Phono- und Fernsehgeschäft die dominierende Farbe in der Konzernpalette. Es ist dies allerdings auch die Sparte mit der geringsten Zuwachsrate; sie lag im Berichtsjahre bei 8 während beispielsweise das Geschäft der Elektroakustik um 21 %,Fernmeldetechnik um 20 undElektromedizin um 19 % ausgeweitet werden konnte. Nach einer Aufteilung des Gesamtumsatzes der Philips-Gruppe entfallen nach den Auskünften der Verwaltung rund 2/3 auf verbrauchernahe Erzeugnisse.

Der Mengenumsatz lag auch im Berichtsjahr wiederum über dem Wertumsatz. Allerdings blieb die durchschnittliche Preisermäßigung bei den Philips-Erzeugnissen diesmal auf 1,2 % gegenüber dem Vorjahr beschränkt. Die spürbare Beeinträchtigung des erwirtschafteten Ergebnisses war dementsprechend weniger eine Frage des Preisdrucks auf den Märkten. Erhebliche Kostensteigerungen haben die Ertragslage geschmälers. Der Philips-Abschluß gewährt wiederum einen bemerkenswert freimütigen Einblick in die Ertragsverhältnisse des Konzerns. Daß die Steigerung des Betriebsergebnisses trotz der kräftigen Umsatzausweitung auf 5 % beschränkt blieb, es stieg von 731 auf 767 Mill hfl., ist darauf zurückzuführen, daß diverse Aufwandsposter, überproportional gestiegen sind. Die Herstellungskosten erhöhten sich im Berichtsjahr um 16 %, die Gesamtkosten um 13,4 und Löhne und Gehälter ebenfalls um 13,4 %. Die Relation von Betriebsergebnis und Umsatz charakterisiert die Verschlechterung. Das Betriebsergebnis betrug im vergangenen Geschäftsjahr noch 13,9 % vom Umsatz, nach 14,8 % im Vorjahr und 18,1 % im Jahr 1960.

Es darf allerdings auch nicht übersehen werden, daß es hier nur gilt, eine negative Tendenz an den Pranger zu stellen. Absolut gesehen hat der Philips-Konzern gar keinen Grund, mit dem vorgelegten Geschäftsabschluß unzufrieden zu sein. Der mit 343 (326) Mill. hfl ausgewiesene Reingewinn hat wiederum ausgereicht, einen ansehnlichen Betrag der Gewinnrücklage zuzuweisen. Allerdings haben sich die Gewichte verschoben. Der Dividendenbetrag ist auf 182 (146) Mill. hfl gestiegen, und der einbehaltene Gewinn hat sich auf 161 (180) Mill. hfl ermäßigt. Der! Anteil des nichtausgeschütteten Gewinns betrug damit im Berichtsjahr 47 % nach 55 und 65 % in den beiden Vorjahren. Prof. Goudeket ließ in der Pressekonferenz wissen, daß sich die Relation im laufenden Jahr wohl wieder zugunsten des im Unternehmen verbleibenden Gewinnanteils verschieben wird. Zusammen mit der Feststellung, daß die Dividendenhöhe voraussichtlich gehalten werden kann, ist das schließlich eine höchst optimistische Aussage, die heute keineswegs zur Regel gehört. Nmn