Von Klaus von Bismarck

Es ist ein Zeichen gesunder Entwicklung, wenn in der Bundesrepublik seit Jahren ein lebhaftes Gespräch über Rundfunk und Fernsehen geführt wird. Alle Gesprächspartner sind sich über die Bedeutung dieser Massenmedien einig. Unterschiedlich sind die Meinungen über die bestehende Rechtsform, die öffentlich-rechtlichen Charakter hat. Dabei verwenden die Kritiker mit Vorliebe das Schlagwort von der „Monopolstellung“ der Rundfunkanstalten. Sie bedauern, daß es keine privatwirtschaftlichen Einrichtungen auf diesem Gebiete gibt, die es zumal der Presse gestatten, ihre verlegerischen und publizistischen Interessen auf Rundfunk und Fernsehen auszudehnen.

Solche privatwirtschaftlichen Einrichtungen sind nur denkbar, wenn man sie finanziell auf Werbe-Fernseh-Einnahmen gründet und also mehr oder weniger das amerikanische System (mit seinen verheerenden Folgen für die Programmqualität) einführt.

Wirtschaftlich sieht man andererseits im Werbefernsehen der Rundfunkanstalten die Gefahr eines existenzbedrohlichen Einbruchs in das Anzeigengeschäft, das in der Tat eng mit der Herausgabe von Tageszeitungen und Publikumszeitungen verbunden ist.

Publizistisch werden die schnelleren Aussagemöglichkeiten des Fernsehens befürchtet. Die Verleger haben ihre Besorgnisse der Öffentlichkeit unterbreitet und um Verständnis für ihre Lage gebeten. Dabei weisen sie auf Entwicklungen hin, die in den USA und in England bereits zu Verkäufen von Zeitungen und Zeitschriften zu Lasten der mittleren und kleineren Verlage geführt haben, Speziell für das Werbefernsehen wird eine privatwirtschaftliche Mitbeteiligung begehrt.

Jeder Staat steht vor der Frage, wie Rundfunk und Fernsehen organisiert sein sollen. In der Praxis ist man zu verschiedenen Ergebnissen gekommen. In vielen Ländern sind Rundfunk und Fernsehen staatliche Einrichtungen, so in Frankreich und Italien; in den USA gibt es ausschließlich private Gesellschaften, während die Engländer der BBC (Hörfunk und Fernsehen) den öffentlich-rechtlichen Status verliehen haben und daneben ein kommerzielles Fernsehprogramm genehmigten. Alle Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik und in Westberlin sind öffentlich-rechtliche Institutionen, die entweder auf Grund von Ländergesetzen oder Staatsverträgen errichtet worden sind, so die Landesrundfunkanstalten und das Zweite Deutsche Fernsehen, oder durch ein Bundesgesetz (Deutschlandfunk, Deutsche Welle).

Die beiden letztgenannten Anstalten stehen ihrer besonderen Aufgabestellung wegen außerhalb der Diskussion.