Wo die Sowjets wirklich verwundbar sind

Von Paul Zieher

Tatsächlich hat die Sowjetunion erhebliche Schwierigkeiten bei der Durchführung ihrer Pipelinebaupläne. Das in Betrieb genommene Pipelinenetz wurde zwar im Verhältnis zu 1950 erheblich vergrößert, die gesteckten Ziele konnten aber längst nicht erreicht werden. So sollte 1960 nach einem Beschluß der KPdSU aus dem Jahre 1956 bereits ein Pipelinenetz von 26 000 km zur Verfügung stehen. Tatsächlich war dieses Ziel selbst 1962 noch nicht erreicht.

Nach Angaben der Statistischen Zentralverwaltung der UdSSR für das Wirtschaftsjahr 1962 wurden in diesem Jahr insgesamt 5000 km an Gas-, Rohöl- und Produktionspipelines gebaut. Während in der Zeit zwischen 1956 und 1960 14 600 km Pipelines verlegt werden sollten, wurden tatsächlich nur 27 % hiervon gebaut. Die Fertigstellung geplanter Pipelines scheitert einmal am Fehlen entsprechender Rohre, zweitens aber an der Umstruktuierung der Pipelines. Die sowjetischen Rohwalzstraßen waren bis in jüngster Zeit auf die Erzeugung von Röhren bis 20 Zoll eingestellt. Die Erzeugung von Stahlrohren stieg nach dem Krieg kontinuierlich an und lag 1960 bei 5,8 Mill. t. Für 1962 gibt der Jahresbericht der Statistischen Zentralverwaltung die Erzeugung von Stahlrohren in Millionen Metern an. Danach betrug sie 1126 Mill. m. 1961 lag die Erzeugung nach dem gleichen Bericht bei 987,7 Mill. m. Hierbei handelt es sich um Stahlrohre aller Durchmesser.

Das Gros sowjetischer Pipelinerohre wird zur Zeit mit einem Durchmesser von 529, 720 und 820 mm erzeugt. Das Rohrwalzwerk von Tscheljabinsk ist neuerdings auf die Erzeugung von Großrohren mit einem Durchmesser von 1020 mm umgestellt worden. Bisher wurden also in der UdSSR immer noch Pipelines mit geringem Durchmesser gebaut, obwohl der Transportbedarf angesichts der starken Fördersteigerung in den letzten Jahrzehnten ein wesentlich leistungsfähigeres Pipelinenetz verlangt.

Hohe Transportkosten

Heute und auch in der nächsten Zukunft erfolgt der Pipelineausbau in der UdSSR in erster Linie, um den Öltransport bewältigen zu können, sondern um den Öltransport billig zu gestalten. Während der t/km Öltransport auf dem Schienenweg 0,31 Kopeken kostet, liegt er bei Flußtankschiffen bei 0,29 Kopeken und bei Pipelines bei 0,1 Kopeke. Angesichts der großen Ölmenge, die zum Transport anfällt und den gleichzeitig auftretenden großen Transportentfernungen bedeuten diese Kostendifferenzen zwischen den einzelnen Transportträgern erhebliche Mehrbelastungen sowohl für die Betriebe als auch für die sowjetischen Verbraucher von Erdölerzeugnissen. Unter diesem Gesichtspunkt erfolgt die Umstellung des Transports auf die Pipelines.