Die Buchhandlungen, deren Angaben wir unseren Seller-Teller verdanken, waren sich diesmal wenig einig über die meistverkauften Bücher des Monats März. Nur zwei Titel kehrten in ihren Listen immer und immer wieder – Rolf Hochhuths „christliches Trauerspiel“ Der Stellvertreter und Thomas Manns Sämtliche Erzählungen. Alles andere folgt erst in beträchtlichem Abstand.

Daß Hochhuths dramatische Auseinandersetzung um die Frage, ob und inwieweit der Vatikan angesichts der deutschen Judenverfolgungen eine unzulässige, eine unchristliche Duldsamkeit bewiesen hat – daß sie Staub aufwirbeln würde, war vorauszusehen. Nicht vorauszusehen war, daß das Publikum sich nicht damit begnügen würde, von den Rängen aus ruhig zuzusehen, wie sich die Betroffenen in den Haaren lagen, daß viele den Gang zum Buchhändler nicht scheuen würden, um nach dem vielen Drumherum zum Text des Anstoßes selbst zu greifen – und so scheint uns der Erfolg des Buches ein gutes Zeichen. Ein Zeitstück, das die Zeitgenossen wirklich bewegt, das hat es noch nicht oft gegeben. Vielleicht macht der Erfolg auch den Verlegern etwas Mut; der Verlag Bertelsmann, dessen Lektor Hochhuth ist, hatte ja die Veröffentlichung des „Stellvertreters“ in letzter Minute abgeblasen, wohl aus Furcht, sie würde seiner Buchgemeinschaft zu viele Kunden kosten. Rowohlt wird es nicht bereuen müssen, daß er sich daraufhin des Stückes angenommen hat; möglicherweise bereut Bertelsmann.

Wenige Tage nach ihrem Erscheinen hat sich die „Bücher der Neunzehn“-Ausgabe der Erzählungen Thomas Manns fast an die Spitze der Bestseller-Listen emporgeschwungen – kein Wunder. Hier hat der Leser schließlich die einmalige Gelegenheit, für 12,80 DM zu erwerben, was ihn sonst, im Rahmen der „Stockholmer Gesamtausgabe“, auf 26,– DM zu stehen käme. Der Band enthält alle Erzählungen, auch „Wälsungenblut“, „Die Betrogene“ und das Fragment „Der Knabe Henoch“, er enthält nicht „Herr und Hund“, den „Gesang vom Kindchen“ und „Fiorenza“, die in dem Erzählungsband der zwölfbändigen Gesamtausgabe mit enthalten sind; ein kurzer Anhang gibt kurz und bündig Auskunft über Erstdrucke und die vorangegangenen Buchveröffentlichungen der einzelnen Geschichten. D. E. Z.