Ein Drittel der Kohle-Förderkosten

wird nicht verdient

Von Hermann Riedle

Die Energie ist seit Monaten, ja, seit Jahren zum Politikum geworden. Was soll der Wirtschaftler in einer Diskussion noch beitragen, in der nicht mehr Kosten und Erträge, Angebot und Nachfrage sowie Preise eine Hauptrolle spielen. Wer es überdies noch wagt, in der Energiediskussion Stellung zu beziehen, der wird schnell in den einen oder anderen Interessenpott geworfen. Neigt man nämlich dazu, die technische Entwicklung – der letzten 13 Jahre beachtend, eine deutliche Umstrukturierung des Energieverbrauchs festzustellen und deshalb zu fordern, daß sich die Energieerzeugung an die Bedürfnisse des Verbrauchs anpassen müsse (technisch und wirtschaftlich), so wird man allzu leicht als „ölnarr“ abgetan. Das knappe Urteil heißt: Der Mann ist von den Ölkonzernen gekauft; er hat kein Verständnis für nationalwirtschaftliche Probleme.

Oder aber man neigt der Auffassung zu, der heimischen Energie sei der Vorrang einzuräumen – es gibt dafür verschiedene Gründe, weil z. B. die Verbrauchsentwicklung nicht genau genug vorauszusagen ist, weil die Kohle „sichere Energie“ bedeutet, weil teure oder billige Energie in der modernen Wirtschaft ja keine Rolle spielt, weil Energieversorgung ohne Devisenaufwand besser ist als importierte Energie –, so wird man ebenso deutlich als „Kohlebaron“ oder als „Energiemerkantilist“ abgestempelt.

Soll man in einer derart ungünstigen Diskussionsatmosphäre überhaupt noch mittun? Ist es nicht vernünftiger, sich aus der Sache zu halten, wenn eine wirtschaftliche Frage zum Glaubensbekenntnis wird?

Ein Gutachten als Basis