Alles ist schon einmal gesagt worden; aber da niemand zuhört, muß man es immer wieder von neuem sagen.

André Gide

Die Reihen fest geschlossen

Den vorläufigen Schlußstrich unter die offenbar heftigen Auseinandersetzungen, die in den zwei Monaten seit dem letzten Parteitag der SED zwischen Schriftstellern und Partei geführt wurden, zog der Genosse Kurt Hager, Mitglied des Politbüros, in einem schwerfälligen, grollenden, von ödem bürokratischen Pathos geschwellten Referat auf einer „Beratung des Politbüros des Zentralkomitees und des Präsidiums des Ministerrates mit Schriftstellern und Künstlern“ (abgedruckt im Neuen Deutschland vom 30. März). Danach sieht es finster aus für jeden, der in der DDR den Wunsch zu schreiben noch nicht aufgegeben hat. Namentlich gerügt wurden vor allem: Peter Huchel, Peter Hacks, Wolf gang Langhoff, Günter Kunert, Stephan Hermlin und Anna Seghers, aber auch – unter Berufung auf Chruschtschow und Iljitschow – Ilja Ehrenburg, Fratkin „sowie gewisse Einzelerscheinungen im sowjetischen Kunstleben“. Es gibt keine friedliche Koexistenz in ideologischen und künstlerischen Dingen – das war die Grundthese der Rede. Sie war reich gespickt mit ultimativen Drohungen: „Wir werden nicht zulassen...“, „die Partei wird nicht dulden ...“ Ein Novum: die Kritik an Peter Hacks’ Brikettdrama „Die Sorgen und die Macht“ galt teilweise der „Verfremdung“ im allgemeinen und traf damit indirekt auch Brecht.

Einheitsfront

In seiner neuesten Nummer meldet auch der „Katholische Filmdienst“ seine Bedenken gegen das von MdB Martin geplante Filmhilfsgesetz an. Die Einwände: 1. das Gesetz will die „Qualität sichern“ und verrät nicht wie, und 2. die fatale Koppelung zwischen Prämie und Einspielergebnis. Damit sieht sich Martin mit seinem Entwurf einer Phalanx von Kritikern gegenüber, die von den Oberhausenern über Enno Patalas bis zu den katholischen Filmexperten reicht. Ob das genügt?

Friedenspreis 1963