Sie verdienen unser Mitgefühl, die wackeren Männer der Vergnügungsindustrie. Erwartet doch alle Welt von ihnen ständig etwas Neues. Vor einem Jahrzehnt schenkten sie uns die Music-Box, sozusagen als letzten Heuler (um im Bilde zu sprechen). Heute erregt sie kaum mehr Aufsehen als das gute alte elektrische Klavier am Ende der zwanziger Jahre. Aber die Herren in den Amüsier-Laboren sind pfiffig, und just in dem Augenblick, als das Interesse an den mechanischen Allein-Unterhaltern zu erlahmen drohte, warteten sie mit etwas Neuem auf: der Bild-Ton-Box, auf deutsch: Scopitone. Hier macht nicht allein der Ton die Musik, sondern auch noch ein Filmchen.

Auf einem Bildschirm von normaler Televisionsgröße produzieren sich Stars und Starlets für drei Minuten und eine Mark. In Farbe erscheint der gewählte Stimmbandakrobat, reißt den Mund auf und läßt über den Verstärker wissen, was er von a-morrr-e hält.

Insgesamt könnte sich der unterhaltungshungrige Gast sechsunddreißig Filmchen aus der Box zu Gemüte führen. Scopitone offeriert ihm den französischen Jazzklarinettisten Claude Lutter, die Clownerien der Hazy-Osterwald-Kapelle, Vivi Bach taucht auf, und Juliette Greco betört mit rauchiger Stimme. War bei schmachtender Music-Box Händchenhalten und Tief-in-die-Augen-sehen möglich, aus ist’s jetzt. Es wird in die flimmernde Box geschaut (Händchenhalten möglich).

Ohrenschmaus und Augenweide – die Bild-Platten-Box wird die Kneipen erobern; aber wetten wir, in zehn Jahren wird sie ein alter Hut sein – und die Herren, die für unsere Unterhaltung sorgen, müssen sich neue Überraschungen ausdenken. Wie wär’s mit dem singenden Bierglas? Peter Squenz