Wenn man noch einmal die Namen-Liste der Engländer studiert, die nach Königswinter zur Deutsch-Englischen Konferenz gekommen waren, dann muß man sagen, daß dort eine für die öffentliche Meinung Englands höchst repräsentative Gruppe mit deutschen Politikern, Wirtschaftlern und Journalisten debattiert hat.

Da waren unter anderem der Außenminister des Schattenkabinetts, Patrick Gordon Walker; der Vorsitzende des Außenpolitischen Komitees der Konservativen Partei, Sir Tufton Beamish; die beiden enfants terrible der Labour Party, Dick Crossman und Barbara Castle; die Vizepräsidentin der Liberalen Partei, Lady Violet Bonham-Carter; die Chefredakteure des Observer, Manchester Guardian und Spectator; die Leitartikler der Sunday Times des Sunday Telegraph und des Economist; ferner Kenneth Younger, der Direktor von Chatham House; Sir William Hayter, bis 1957 Botschafter in Moskau; Sir Eric Berthoud, bis 1960 Botschafter in Warschau; Robert Birley, der Headmaster von Eton, und eine Reihe von Abgeordneten aller drei Parteien.

Drei Tage lang wurde diskutiert über die weltpolitische Situation, die wirtschaftlichen Folgen von Brüssel, die vielen wechselnden Pläne auf militärischem Gebiet, die Disintegration in Ost und West und über die Entwicklungsländer. Viele Stellungnahmen, Beiträge, Auseinandersetzungen sind in die Annalen von Königswinter eingegangen, manche Formulierung aber blieb auch lebendig im Gedächtnis haften:

„Immer leben wir in Furcht vor unseren Alliierten. Erst hatten wir Angst, die USA könnten zu früh und zu leichtfertig ihre Atomwaffen anwenden. Seit auch die Sowjets sie besitzen, haben wir Angst, sie könnten zögern, sie einzusetzen.“

„Die Vereinbarung von Nassau? Das albernste Dokument, das je geschaffen wurde: Auf der Rückseite eines Briefumschlags haben die beiden Nationen ihre strategischen Konzepte total umgeschrieben.“

„Der Streit zwischen China und Rußland geht nicht um das Ziel, die Vernichtung des Kapitalismus, sondern nur über die Mittel hierzu.“

„Wir können die Kommunisten zwingen, ihre ideologischen Normen allmählich abzubauen. So hat die Integration des Westens es notwendig gemacht, daß sie das Dogma von den antagonistischen Widersprüchen innerhalb der kapitalistischen Staaten revidierten.“