In einer alten Legende wird vom heiligen Georg erzählt, er sei auf alle erdenkliche Weise zum Tode befördert worden – aufs Rad geflochten, gevierteilt, gesteinigt, ertränkt. Nach jeder dieser Prozeduren aber wurde der Heilige stracks wieder lebendig. Er war einfach nicht umzubringen. An diese rührende Legende wird erinnert, wer das Bemühen vieler Bonner Politiker verfolgt, Konrad Adenauer vom Kanzlerthron herunterzuholen. Zwar sind die Methoden ein wenig humaner, aber das Ergebnis ist doch recht ähnlich: Gerade dann, wenn die Bonner glaubten, nun hätten sie Konrad Adenauer so weit, daß er klein beigeben müsse, erweist er sich immer wieder als besonders lebendig.

Eben erst war (zum wievielten Male eigentlich?) verkündet worden, der Kanzler werde im Herbst dieses Jahres endgültig und unwiderruflich zurücktreten, da ließ Konrad Adenauer aus Cadenabbia wissen, ein Kanzler müsse in diesen schwierigen Zeitläuften bis zum letzten Augenblick mit voller Autorität regieren, was nichts anderes bedeuten kann, als daß der Kanzler mit der Befristung seines Amtes ganz und gar nicht einverstanden ist. Weit davon entfernt, sich politisch festgelegt zu fühlen, erklärte er: „Ich will mir hier in Ruhe darüber klar werden, ob und wie ich angreifen soll. Damit ist es mir ernst.“

Arme Kanzlersucher! Sie haben es ebenso schwer wie jene Heiden, die St. Georg aus der Welt schaffen wollten. Der Kanzler ist offenbar nicht kleinzukriegen – wenigstens nicht von der CDU. R. Z.