A. St., Hannover

In den Tagen vom 28. April bis zum 5. Mai werden 35 000 Hannoveraner Hausfrauen zu Zimmervermieterinnen. 35 000 Privatunterkünfte stehen neben 3500 Fremdenbetten in Hotels und Pensionen bereit, um die Gäste aus aller Welt aufzunehmen, die in dieser Zeit zur Messe in die niedersächsische Landeshauptstadt kommen werden. Sofas, Sonnenliegen und sogar Badewannen dienen während der Messezeit als Ersatzschlafstätten.

Trotzdem reichen die Schlafplätze nicht aus. Hildesheim, Bad Pyrmont, Bad Harzburg, Goslar, Bremen, Hamburg und Berlin werden von dem Sog erfaßt, der um die Hannover-Messe spült. Und so merkwürdig es klingen mag: mancher, der sein vom Messetrubel ermüdetes Haupt in Bremen zum Schlafen niederlegt, braucht weniger Zeit, um das Ausstellungsgelände vor den Toren Hannovers zu erreichen, als jener Gast, der in der City ein komfortables Hotelzimmer bewohnt. Die Bundesbahn setzt Sonderzüge ein, die bis auf das Messegelände fahren. Der Fahrer eines schnellen Wagens aber muß sich im Schrittempo in einer endlosen Wagenkolonne mühsam vorarbeiten.

Der Pressechef der Messe-AG, Leopold Merkelbach, hat das ganze Jahr über „Saison“, wenige Wochen vor der Messe aber gehört er sicher zu den meistbeschäftigten Leuten weit und breit. Schon im Sommer verließen die ersten Messeplakate, die mit dem Hermeskopf für eine der größten Industriemessen der Welt werben, per Schiff die Bundesrepublik. In 85 Ländern sitzen Merkelbachs Assistenten, um mit Prospekten und Werbefilmen Besucher nach Hannover zu locken. Die Redakteure der Tageszeitungen in Rio de Janeiro oder Moçambique, in Montreal oder Casablanca, brauchen nur bei ihnen anzurufen, um über Prunkstücke der Ausstellung oder die Zahl der beteiligten Länder informiert zu werden.

Die Messeplakate werden in 17 Sprachen, 30 verschiedene Branchenprospekte in einer Auflage von 1 500 000 Stück und 750 000 allgemeine Besucherprospekte werden in 15 Sprachen gedruckt, und an Ort und Stelle steht ein Heer von Dolmetschern bereit, sprachliche Schwierigkeiten zu überwinden. Damit nicht genug: die Messe AG läßt auch Briefsiegelmarken drucken, auf denen zu lesen ist, auf welchem Stand dieser oder jener Fabrikant seine Erzeugnisse anbietet. Davon sind allein in diesem Jahr 7,5 Millionen in alle Welt gegangen.

Trotz aller hektischen Betriebsamkeit geht der Aufbau der Messe nach einem bewährten und seit Jahren praktizierten Plan voran. Sobald die Werbekampagne abgeschlossen ist, beginnen etwa vier Wochen vor der Eröffnung die 1200 ausländischen Aussteller ihre Stände aufzustellen. Dann bevölkern rund 20 000 Ingenieure, Werbespezialisten, Bauarbeiter, Dolmetscher und Fremdenführer Hannover.