Seit Dienstag verhandeln Amerikaner und Sowjets in Genf über die Einrichtung einer ständigen direkten Verbindung zwischen Washington und Moskau. Dieser „heiße Draht“ im Kalten Krieg soll verhindern, daß die Staatsmänner in Krisenzeiten ohne Kontakt miteinander sind oder daß sie, wenn es um Minuten geht, wie in der Kuba-Krise darauf angewiesen bleiben, einander ihre Botschaften per Rundfunk zuzustellen. Eine Fernschreibleitung mit angeschlossener elektronischer Übersetzungsanlage soll hier Abhilfe schaffen.

Eine Abrüstungsmaßnahme ist dies nicht, wohl aber ein deutlicher Ausdruck des gemeinsamen Willens beider Atomgiganten, das Leben mit der Bombe seiner schlimmsten Risiken zu entkleiden: der Gefahr, daß ein verwüstender Konflikt aus Versehen, aus einem Mißverständnis oder aus einer Fehldeutung der gegnerischen Absichten entsteht. Hier gibt es in der Tat ein stillschweigendes Bündnis zwischen den beiden großen Gegnern – ein Bündnis gegen den ungewollten Atomkrieg. ts