SENDER FREIES BERLIN

Dienstag, 2. April, das Hörspiel

Das ist gut, das ist wenigstens harmlos",meinte der Gaswerk-Buchhalter Lothar Krake zu dem Vorschlag seiner Frau Ilse, der nichtexistierenden Hauptfigur des Hörspiels das Dasein eines Schriftstellers zu verleihen. Autor Dieter Waldmann (bekannt durch die Gründgens-Inszenierung seines Bühnenstückes "Von Bergamo bis morgen früh") bemühte sich redlich und mit Erfolg, diese Buchhalter-Meinung durchs eigene Beispiel zu bestätigen.

Krake hat auf seiner komplizierten Buchungsmaschine danebengetippt und – um seine Stellung nicht zu verlieren – aus diesem Tippfehler den Fürsten Konstantin Iwanowitsch Dubrowski gemacht. Die unerwartete Neugier der Meldebehörde und des Finanzamtes zwingt den Buchhalter, die fürstliche Karteiblattfigur zu seinem Untermieter und schließlich zum Memoirenschreiber avancieren zu lassen.

Die Niederschrift dieser Memoiren besorgt Ehefrau Ilse, die sich mehr und mehr in die Rolle der Managerin des Papierfürsten hineinlebt und sich schließlich – um den Sensationshunger der Illustrierten zu befriedigen – als dessen Geliebte geriert. Ein Bombenanschlag des "betrogenen" Ehemannes auf den allzu lebendig gewordenen Tippfehler verhilft dem Hörspiel zum Ende.

Dieter Waldmann wollte in seinem vom SFB gemeinsam mit dem WDR und SWF produzierten Hörspiel vermutlich das Eigenleben der Bürokratie, vor allem aber die Klischees der Illustrierten-Welt kritisieren. Doch er blieb selber im Klischee stecken. Gewissenhaft hat er alle Unterhaltungs- und Klamauk-Effekte seines Stoffes genutzt, und es ist ihm gelungen, wirkliche Satire nicht aufkommen zu lassen. Otto Köhler