Er war ein Hühne von Gestalt, hatte einen wachen Verstand und dazu einen Humor, wie man ihn in dieser Art nur selten im deutschen Norden trifft: Hans Heinrich Sievert, Deutschlands Zehnkampf-Weltrekordmann und Europameister aus den dreißiger Jahren, starb am letzten Wochenende an einer Blutkrankheit.

Männer von seiner Vielseitigkeit hat es im deutschen Sport nur wenige gegeben. Nach einem Studium in Halle an der Saale bestand Sievert in Hamburg die juristische Staatsprüfung mit der besten Note. Ihm stand als Jurist gewiß eine große Karriere bevor. Aber den Naturburschen, der sich auf dem väterlichen Hof bei Eutin am wohlsten fühlte, behagte die verstaubte Luft der Akten nicht.

Kein Wunder, daß sich dieser Mann nicht nur einen großen Freundeskreis erwarb, weil er Jahre hindurch als „König der Athleten“ – so nannte König Gustav V. vor. Schweden bei den Stockholmer Olympischer Spielen den Zehnkampfsieger – einer der bester. Sportler der Welt war. Sievert hatte Freunde in großer Zahl wegen seines bescheidenen und doch lebenslustigen Wesens, das andere Menschen an ihn zog.

Das Schicksal, das ihn in seiner Jugend mit Ruhm überschüttete, hat später seinen Tribut gefordert: Im Kriege büßte Sievert noch bei den letzten Kämpfen in Ungarn seinen linken Fuß ein. Und als er seinen Richterstuhl in Hamburg mit dem Sessel der Sportreferenten der Bundesregierung in Bonn vertauscht hatte, zwang ihn ein Herzleiden zur frühzeitigen Pensionierung. Sievert wurde nur 53 Jahre alt.

P. H.