„Elektra“ (Griechenland; Verleih: United Artists): Weniger ein Autorenfilm als ein Film für einen Autor: Euripides. Der griechische Regisseur Cacoyannis („Das Mädchen in Schwarz“) hat seine Vorlage weder gewaltsam einer „filmischen“ Konzeption unterworfen, noch hat er eine Aufführung nur abgefilmt. Vielmehr hat er versucht, ihr den authentischen Hintergrund zu finden, die Linien der Tragödie auszuziehen in die Realität hinein. Die Steine und der Himmel Griechenlands kommen ins Spiel und erscheinen als die lebendigen Zeugen des Geschehens, das wie aus ihrer Erinnerung aufsteigt. Stumme Sequenzen exponieren das Geschehen und führen aus ihm heraus. Dazwischen entfaltet sich die Tragödie, gefilmt fast wie ein Dokumentarfilm über die Tragödie. Die deutsche Synchronisation mit ihren klappernden, theatralisch deklamierten Versen verbiedert das Ganze ein wenig zur Bildungskonserve; wer die schneidenden Stimmen der Klagelieder aus dem Original noch im Ohr hat, wünscht sich dieses zurück – in einer sparsam untertitelten Fassung.

„Ehe französisch“ (Frankreich; Verleih: Atlanta): Vergeblich versucht ein junges Ehepaar zu ergründen, warum seine Partnerschaft sexuell unzureichend geworden ist. Weder gemeinsames Diskutieren noch einsames Meditieren macht Ursache oder Ausweg sichtbar. Mehr widerwillig als begierig sucht das Paar schließlich außerhalb seiner Ehe Erfüllung. Jean Pierre Mocky bleibt seinen Protagonisten jedoch nicht auf der Spur. Er konfrontiert sie mit anderen Paaren, die unbedacht der Libertinage huldigen oder eine Ehe nach Stundenplan führen. So endet der diskutable Versuch, eine mögliche Divergenz zwischen Eros und Sexus zu ergründen, in einem schummrig ausgeleuchteten Trubel klischierter Konflikte und Charaktere, und biederste Komik wird nicht verschmäht. rpk