R. H., Hamburg

Ein großer Steinquader, im Jahre 1952 vom Hamburger Senat den Opfern des Konzentrationslagers Neuengamme gewidmet, liegt am Eingang der Ehrenmalsanlage. In der Mitte des kleinen Parks steht ein hoher, symbolischer Schornstein aus Beton. Inschrift: Den Opfern 1938–1945.

Dieses Mahnmal nahm kürzlich der Vorsitzende der Hamburger Bürgerschaftsfraktion der CDU zum Anlaß, den Hamburger Bürgermeister zu ermahnen. Er behauptete, die Anlage in Neuengamme befinde sich in einem traurigen Zustande und sei in Vergessenheit geraten. Bürgermeister Nevermann ließ erklären, das sei unrichtig.

Tatsächlich konnte die Gartenanlage im März dieses Jahres kaum anders aussehen, als alle Gärten um dieselbe Zeit. Der Boden war noch gefroren und die Gärtner konnten nichts ausrichten. Inzwischen haben acht Mann dort aufgeräumt, geharkt und gegraben. Der Garten sieht tadellos aus. Zuständig für die Pflege ist das Bezirksamt. Bergedorf, aber die Verwaltung des Gefängnisses, das in nächster Nachbarschaft des Denkmals liegt, hat diese Arbeit übernommen.

Die Besucher können nun also wieder im gepflegten Garten den schaurigen Ort erleben, den noch auf einer Seite der Stacheldraht an Betonstützen abschließt, der zur Lagerausstattung gehörte. Der symbolische Schornstein ist zwar geeignet, an das zu erinnern, was hier geschah. Ein Kunstwerk ist er nicht; deshalb soll er verschwinden.

Vertreter der „Amicale de Neuengamme“ – einer internationalen Vereinigung von Überlebenden des Lagers – und die hamburgische Verwaltung haben Pläne ausgearbeitet. Ein neues Ehrenmal soll errichtet werden. Der Entwurf stammt von Hamburgs Erstem Baudirektor Seitz.

Bevor es so weit kam, gab es lange Überlegungen für und wider den Neubau. Die Gedenkstätte wurde oft von Leuten, die eine andere Art von Denkzetteln zu verpassen gedachten, demonstrativ als Treffpunkt gewählt. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, die VVN, benutzte das Ehrenmal zu kommunistisch gefärbten Zusammenkünften.