Die „Königliche Gesellschaft für die Verhütung von Unfällen“ in London hat sich mit einer Fernseh-Werbefirma zusammengetan und vor einiger Zeit einen Klub gegründet, dessen Devise heißen könnte, Fehler erst einmal bei sich selbst zu suchen statt bei anderen. Schon in der ersten Woche meldeten sich, einige tausend Leute mit dem Wunsch, aufgenommen zu werden. Der Klub heißt „Silver Wheel“, auf deutsch Silbernes Rad.

Das Ereignis ist bemerkenswert, auch wenn es überall in Europa Autoklubs die Menge gibt, die sich bemühen, gute Fahrer zu loben und Titel wie „Ritter der Landstraße“ zu verleihen, samt Urkunde und Plakette. Das ist sehr hübsch, aber die Masse der Autofahrer reagiert ziemlich negativ auf Ermahnungen.

Bei den zunehmenden Unfallzahlen kann sich allerdings jeder Autofahrer selber ausrechnen, daß die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls immer größer wird und daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch er – wenn auch schuldlos – in einen Unfall verwickelt wird. „Silver Wheel“ will nun die Bemühungen des vor zwei Jahren gegründeten „Institute for Advanced Motoring“ ergänzen: Ein Klub von Selbstfahrern für Selbstfahrer.

Die Hauptfunktion des zwei Jahre alten Instituts ist es, menschliche Fehlerquellen der Fahrer zu entdecken und auszumerzen. Jeder britische Fahrer kann sich freiwillig einer mehrstündigen Prüfung unterziehen. Von den bisher etwa 500 000 Fahrern, die es in der Klasse der Fortgeschrittenen gewagt haben, fiel fast die Hälfte durch. Die Pechvögel wurden allerdings nicht ausgelacht und entmutigt. Im Gegenteil: Fachleute machten sie auf ihre Fehler aufmerksam.

Aber das „Institut für fortgeschrittene Fahrer“ hat lediglich die Funktion, die mechanische Perfektion der Autofahrer zu untersuchen – während viele Fahrer sich darüber klar sind, daß besserer Fahrstandard auch moralisches Verantwortungsbewußtsein verlangt. Die Mitglieder des neuen Autoklubs verpflichten sich deshalb auch, alles zu tun, um auf den Straßen besser miteinander auszukommen: Durch Selbstlosigkeit, auch wenn sie grob behandelt werden, und durch persönliche Zuvorkommenheit.

Die Fernseh-Werbegesellschaft stellt dem Autoklub übrigens alle zwei Wochen einen Teil ihrer Programmzeit zur Verfügung. Aber verlockend ist es vor allem, daß es sich auch finanziell lohnt, dem Klub anzugehören, sofern man den Fortgeschrittenen-Test abgelegt hat: Die Versicherungsprämien wurden bedeutend ermäßigt.

H. M. Nieter O’Leary