Es ist nicht ganz einfach, die Metallgesellschaft AG, Frankfurt/Main, in das übliche Schema deutscher Wirtschaftsunternehmen einzuordnen. Von Haus aus ist sie eine Handelsgesellschaft; als solche nimmt sie auf dem Gebiet der NE-Metalle eine führende Rolle in der Bundesrepublik und eine angesehene Stellung in der Welt ein. Die Gesellschaft handelt weiterhin mit Erzen, Schwefelkies, Phosphaten, Schwerchemikalien u. a. m. Die Metallgesellschaft ist daneben auch eine Bank, der für die Finanzierung der Einfuhr von Metallen und Erzen im Ausland bedeutende Kreditfazilitäten zur Verfügung stehen. Ferner ist die Metallgesellschaft eine Holdinggesellschaft. Ihre Beteiligungen umfassen Industriegesellschaften des Metallgebietes und der Chemie, Reedereien und Speditionsunternehmen u. a. m. Schließlich besitzt die Metallgesellschaft in den Lurgi-Gesellschaften Ingenieurbüros von Weltruf. Die Lurgi verfügt über zahlreiche Patente auf dem Gebiete des Hüttenwesens, der Chemie und der Mineralölwirtschaft.

Heute, in einer Zeit, in der die Konjunktur uneinheitlich von Branche zu Branche verläuft, hat die Vielfältigkeit des Konzerns seine unbestrittenen Vorteile. In ihrem Geschäftsbericht 1962 machte die Metallgesellschaft längere Ausführungen auf dem Gebiet der NE-Metalle. Nur technisch moderne Hüttenwerke vermögen noch wirtschaftlich zu arbeiten. Die Investitionsanstrengungen der Metallgesellschaft gelten deshalb im Augenblick der „Berzelius“ Metallhüttengesellschaft mbH in Duisburg. Offenbar beabsichtigt die Metallgesellschaft, ihre Hütteninteressen am Niederrhein und an der Unterelbe – dort liegt als bedeutsames Tochterunternehmen die Norddeutsche Affinerie – zu konzentrieren.

Die Halbzeugfertigung, mit der sich die Vereinigte Deutsche Metallwerke AG in Frankfurt beschäftigen, wurde durch den Lagerzyklus gehemmt. Er dürfte den Tiefpunkt erreicht haben. Das schlechte Ergebnis des Geschäftsjahres 1961/1962 hatte eine Senkung der Dividende von 15 % auf 12 % zur Folge.

Ausgesprochen gut unter den metallverarbeitenden Unternehmen geht es der in der Nachkriegszeit groß gewordenen Karl Schmidt GmbH, die Motorenteile fertigt und über eine Aluminiumgießerei verfügt.

Wenig Anlaß zum Klagen haben auch die Chemieunternehmen, die sich auf den verschiedensten Gebieten, von der Schwefelsäure angefangen bis zur chemischen Oberflächenbehandlung, betätigen. Auf dem Gebiet der Kunststoffe und des Gummis werden ebenfalls Erfolge erzielt. Die Transportunternehmen der Metallgesellschaft, Seereedereien, Binnenschiffsreedereien sowie Speditionsbetriebe, berichten über zufriedenstellende Ergebnisse. Sie sind in diesem Gewerbezweig zur Zeit sicherlich nicht leicht zu erreichen.

Das Glanzstück der Metallgesellschaft sind die schon erwähnten Lurgi-Gesellschaften. Von den 6500 Menschen, die bei der eigentlichen Metallgesellschaft arbeiten (das Gesamtunternehmen zählt 29 000 Belegschaftsmitglieder), gehört die Hälfte zur Lurgi, die Großanlagen entwirft und baut. Im Saisonrhythmus liegt die Lurgi damit einige Jahre hinter dem allgemeinen Konjunkturablauf. Der allgemeine Wirtschaftsaufschwung beginnt nun einmal nicht mit dem Bau großer Industrieanlagen. Hiermit fangen Staat und Wirtschaft in der Regel erst an, wenn es an Fertigungskapazitäten mangelt und wenn sich die Konjunktur ihren Höhepunkt nähert. Dann aber dauert es in der Regel wiederum Jahre von den ersten Planungen bis zum Anlaufen der Anlagen. Die Lurgi merkt heute nicht das geringste von einem Nachlassen der Konjunktur. Im Bericht der Metallgesellschaft heißt es vielmehr, daß die Umsätze nach der starken Vorjahreserhöhung im Berichtsjahr 1961/62 noch um 25 % zunahmen. Die Umsatzsteigerungen fielen vorwiegend auf Auslandsaufträge, deren Umsatzanteil von 56 % auf 62 % stieg. Der Auftragszugang erreichte zwar nicht ganz das Ergebnis des Vorjahres, lag aber trotz der hohen Abwicklungsleistungen über dem Umsatz.

Der Außenumsatz der Metallgesellschaft einschließlich ihrer Beteiligungsgesellschaften lag im Berichtsjahr mit 2,11 Mrd. um 6,7 % höher als im Vorjahr. Der Rückgang findet seine Ursache in den verminderten NE-Metall-Umsätzen.

Ein Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung der Metallgesellschaft (ohne Beteiligungsgesellschaften) zeigt, daß die Roherträge von 196 Mill. auf 218 Mill. gestiegen sind. Das ist der Erfolg der Lurgi. Erfreulich haben sich die Beteiligungen entwickelt; sie brachten 3 Mill. mehr als im Vorjahr. Bei den Aufwendungen sind die Abschreibungen auf Sachanlagen um 2 Mill. gestiegen, die ertrags- und vermögensgebundenen Steuern sind dagegen um 2 Mill. zurückgegangen. Das ist bei einer Steuerleistung von rd. 30 Mill. nicht sonderlich viel. Alles in allem verbleibt jedenfalls ein Jahresüberschuß von 28,8 Mill. Er ist genauso hoch wie im vorangegangenen Geschäftsjahr. Das macht es möglich, der Rücklage für Werkerneuerung, abermals 5 Mill. zuzuweisen und auf das Aktienkapital von 140 Mill. wiederum eine Dividende von 17 % zu zahlen. W. R.