DIE ZEIT

Bonner Legende

In einer alten Legende wird vom heiligen Georg erzählt, er sei auf alle erdenkliche Weise zum Tode befördert worden – aufs Rad geflochten, gevierteilt, gesteinigt, ertränkt.

Der Tod erlöst nicht

Es wäre interessant, wenn wir einmal durch eine behutsame Meinungsbefragung herausbringen könnten, wie viele erwachsene Mitglieder der christlichen Glaubensgemeinschaften eigentlich eine selbständige und klare Meinung besitzen über Wesen und Bedeutung der Osterbotschaft; wie sie sich die Ereignisse, von denen die Evangelien berichten, anschaulich vorstellen und wie sie jene Berichte beurteilen.

Kunstgriff

Der Streit um den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag scheint nun doch noch in Harmonie auszuklingen. Bonn hat ein Patentrezept gefunden: die Präambel.

Direkter Draht

Seit Dienstag verhandeln Amerikaner und Sowjets in Genf über die Einrichtung einer ständigen direkten Verbindung zwischen Washington und Moskau.

Unternehmen Charme

Der Zunft der Kreml-Astrologen und Pekinologen hat sich eine neue Gilde politischer Auguren zugesellt: die der Elyseeologen.

Die Bonner Mateos-Passion

Nein, er wolle lieber doch nicht nach Berlin, sagte Mexikos Staatspräsident López Mateos zwei Tage, ehe er in der Bundesrepublik eintraf.

Rehabilitiert

Der „Vater der Atombombe“, Robert Oppenheimer, eines der prominentesten Opfer des McCarthyismus, wurde jetzt in den USA offiziell rehabilitiert: Die staatliche Atomenergiekommission, aus der Oppenheimer 1954 verstoßen wurde, verlieh ihm den mit 200 000 Mark dotierten Enrico-Fermi-Preis.

Im Labor der afrikanischen Zukunft

Wenn man aus Ibadan, der größten Stadt Schwarz-Afrikas, zurückkehrt auf das Universitätsgelände, so ist es, als habe man einen lärmenden Marktplatz hinter sich gelassen und trete in einen hohen, kühlen Saal ein.

Zeitspiegel

In Manila, der Hauptstadt der Philippinen, beginnen in dieser Woche dreiseitige Gespräche über die geplante Konföderation Malaysia.

Bundestag im kleineren Saal?

Oft schon haben die Bundesbürger – meist freilich zu Unrecht – daran Anstoß genommen, daß wichtige Gesetze im Bundestag vor leeren Bänken diskutiert wurden.

Vertagte Entscheidungsschlacht

Die wirtschaftliche und politische Bilanz des französischen Bergarbeiterstreiks – Wer muß dafür bezahlen?

Begegnung kritischer Freunde

Wenn man noch einmal die Namen-Liste der Engländer studiert, die nach Königswinter zur Deutsch-Englischen Konferenz gekommen waren, dann muß man sagen, daß dort eine für die öffentliche Meinung Englands höchst repräsentative Gruppe mit deutschen Politikern, Wirtschaftlern und Journalisten debattiert hat.

Argentinien im Schatten Juan Perons

Seit dem Sturz des Diktators Juan Domingo Peron im Jahre 1955 ist Argentinien in den Ruf geraten, Südamerikas klassisches Land der Rebellionen zu sein.

Als Hausierer verkleidet

Seitdem die Kommunisten in Laos immer mehr an Boden gewonnen haben, bereiten sie sich darauf vor, den Guerillakrieg in das benachbarte Thailand hineinzutragen.

Wahlkampf ohne Feuer

Das Wahlklima ist diesmal sehr kühl. Bisher hat keine Partei mit suggestiven Slogans die Phantasie der Italiener zu entzünden vermocht.

„Wir wollen kämpfen”

Queremos luchar“, sagt Dr. José Miro-Cardona, der Präsident des Cuban Revolutionary Council. „Wir wollen kämpfen“, fügt er in einem harten, grollenden Englisch hinzu.

Größer, schöner, würdiger

Ein großer Steinquader, im Jahre 1952 vom Hamburger Senat den Opfern des Konzentrationslagers Neuengamme gewidmet, liegt am Eingang der Ehrenmalsanlage.

Wer an der Quelle sitzt...

Ein dickleibiger Herr mit Nasenklemme schwimmt neben mir. Das Wasser dampft und rumort. Die Schwefeldämpfe beißen in der Nase.

Kaffeetassen – ideologisch gesehen

Häßlichkeit verkauft sich schlecht“ – mit diesem Satz hat Raimond Loewy das Credo der Formgestalter geprägt. So wenigstens konnte man meinen, bis die Kulturfunktionäre der SED mit ihrer Erkenntnis herausrückten, daß industrielle Formgebung ein „ideologisches Problem“ sei.

Wahlschlacht mit „Preußens Gloria“

Der Osterfrieden wird in Niedersachsen nicht von langer Dauer sein. Während schon heute die gelben Schilder mit dem Hermeskopf den Besucherder Landeshauptstadt auf das größte wirtschaftlich-spektakuläre Ereignis Hannovers, auf die Messe 1963 hinweisen, entstehen in den Werkstätten der Graphiker die blauen, roten und gelben Plakate für den Landtagswahlkampf.

Die Suche nach dem Schlafplatz

In den Tagen vom 28. April bis zum 5. Mai werden 35 000 Hannoveraner Hausfrauen zu Zimmervermieterinnen. 35 000 Privatunterkünfte stehen neben 3500 Fremdenbetten in Hotels und Pensionen bereit, um die Gäste aus aller Welt aufzunehmen, die in dieser Zeit zur Messe in die niedersächsische Landeshauptstadt kommen werden.

Verbrecher aus verlorener Ehre?

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit erließ der Kölner Regierungspräsident kürzlich ein Verbot gegen eine Emigrantenvereinigung, die sich „Kroatische Kreuzbruderschaft“ nennt.

Zeitfragen: Kain, wo ist dein Bruder?

Germania est omnis divisa in partes tres: Den einen Teil bewohnen die Ostdeutschen, den andern die Westdeutschen und den dritten die Gesamtdeutschen.

Idee und Wirklichkeit einer Buchreihe

Die Bibliothek Suhrkamp feiert Jubiläum; gerade wurde ihr hundertster Band ausgeliefert, achtunddreißig Briefe Peter Suhrkamps an achtundzwanzig seiner Autoren.

Kurze Nachfolge

Nach monatelangen erfolglosen Verhandlungen einigte sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen überraschend über einen Nachfolger für den am 10.

Wer darf den Kanzler machen?

Jetzt erst merkt man, wie unbedacht, ja naiv die Väter unserer Verfassung gewesen sind. Waren sie doch von der Vorstellung ausgegangen, der Bundeskanzler müsse vom Bundestag gewählt werden.

Befreiung aus Raum und Zeit

Die Berliner Akademie der Künste ehrt zur Zeit (bis zum 20. April) den Maler Werner Gilles (geboren am 29. 8. 1894 in Rheydt, gestorben am 22.

Zeitmosaik

Seit den Kreml-Diskussionen (am 17. Dezember 1962 und 7./8. März dieses Jahres) nimmt in der UdSSR die Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst nicht ab.

Kleiner Kunstkalender

Das Bauhaus-Archiv, das vor zwei Jahren auf der Mathildenhöhe eröffnet wurde, zeigt bis zum 26. Mai „Arbeiten aus der graphischen Druckerei des Staatlichen Bauhauses in Weimar 1919–1925“.

Unsere Sprache: Texte und Texter

Jede Epoche hat ihre Zauberworte, die van Dezennium zu Dezennium wechseln können. Eines der heute marktfähigen ist der „Text“, und Max Bense hat den Versuch einer zeitgerechten literarischen Ästhetik „Theorie der Texte“ genannt.

Was gilt die deutsche Literatur im Ausland? (20): Brecht in Italien

Sollte sich später einmal ein Theaterhistoriker Gedanken darüber machen, wie ein neuer Darstellungsstil Interesse und Polemiken hervorrufen kann, ohne doch die Gewohnheiten und die herkömmliche Technik des Theaters nennenswert zu beeinflussen, so brauchte er nur über die Wechselfälle des Brechtschen Theaters in Italien zu berichten.

Film

„Elektra“ (Griechenland; Verleih: United Artists): Weniger ein Autorenfilm als ein Film für einen Autor: Euripides. Der griechische Regisseur Cacoyannis („Das Mädchen in Schwarz“) hat seine Vorlage weder gewaltsam einer „filmischen“ Konzeption unterworfen, noch hat er eine Aufführung nur abgefilmt.

Theater

„Eine schwarze Posse“ nennt Albert Schulze-Vellinghausen in der FAZ diese „Kammerfarce für nicht zu große Häuser“. Der ganz bescheidene Linksbürger Persilès wird von einem „Tick“ befallen.

Funk: "Dubrowski"

Das ist gut, das ist wenigstens harmlos",meinte der Gaswerk-Buchhalter Lothar Krake zu dem Vorschlag seiner Frau Ilse, der nichtexistierenden Hauptfigur des Hörspiels das Dasein eines Schriftstellers zu verleihen.

...sieh, do erstarb min herze

Das Vesperbild, die Darstellung der Maria mit dem toten Christus auf dem Schoß, wird zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts ein Thema der deutschen Plastik.

Ein Lesebuch und ein Seufzer

Man stelle sich ein riesiges Warenhaus vor, einen verschwenderischen Supermarket, und äußere dann den Wunsch, jemand möge in einer Einkaufstasche eine möglichst nahrhafte, schmackhafte und charakteristische Auswahl des dort Gebotenen mitbringen – und man hat die Lage, in welcher sich ein Lesebuchverfasser angesichts der deutschen Literatur befindet.

Bewußtes und Unbewußtes

Unsere Zeit hat alle Betonung auf den diesseitigen Menschen verschoben und damit eine Dämonisierung des Menschen und seiner Welt herbeigeführt.

Kein Freund des heiligen Wahnsinns

vereinigt. Eine Poetik, in der technische und architektonische Elemente ihre Stelle haben, während heute punktuelle Impressionen in der Lyrik vielfach die nach Zufällen locker gereihten Assoziationen und Metaphern bestimmen, jeden Augenblick den gefürchteten Notwendigkeiten eines folgerechten Bauzwanges ausweichend, als wäre der Autor von ihm bedroht und müßte die dichterische Freiheit wahren, während er längst aus dieser Sphäre herausgetreten ist.

Der Atem des Leeren

Drei Bücher über die Kunst Japans und Chinas, die eine Empfehlung brauchen und verdienen

Ein russischer Antiromancier

Seitdem unsere Verleger vor vier, fünf Jahren Dudinzew und Pasternak entdeckten, sind sie eifrig dabei, die jahrzehntelang versäumte moderne russische Literatur aufzuarbeiten.

Am äußersten Rand Europas

Die Aran-Inseln? Wer kennt sie? Wer hat sie in der Schule gehabt? Wer kann sie ohne viel Suchen auf dem Atlas zeigen? Zwar ist Irland aus dem Zeitalter nationalistischer Unabhängigkeitskämpfe in das Zeitalter bundesdeutscher Bodenspekulation getreten; doch diese drei Inselchen im Westen des grünen Eilands tauchen bisher in den Anzeigen der Immobilienmakler nicht auf.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT, synoptisch angeordnet, Text und Neuübersetzung des 1797 entstandenen „Rime of the Ancient Mariner“ und ein erläuterndes Nachwort des in den Vereinigten Staaten lehrenden Germanisten Heinz Politzer.

Nächtliches Vergnügen an und in Berlin

„Berlin hat immer Nachfrage.“ Diese Bemerkung fällt seit einiger Zeit in allen Reisebüros. Unentwegt werden dort Einzelreisen nach West-Berlin zusammengestellt.

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