Von Irmgard Bur meister

Ermittlung der Lichtfrequenz, die das Pflanzenwachstum am stärksten beeinflußt – das stand, allerdings in englischer Sprache, über dem Ausstellungsstand, an dem in allen Einzelheiten dargestellt war, wie der 13jährige Schüler Peter T. Cash von der American Highschool in Frankfurt dieses Forschungsprogramm durchgeführt hat. Nicht weit davon entfernt zeigt ein 16jähriges Mädchen, wie man im Notfall Penicillin selbst herstellen kann.

Von Bewunderung und Neid erfüllt waren die Kommentare, die man von deutschem Lehrern und Wissenschaftlern auf der „6. Naturwissenschaftlichen Jahresausstellung amerikanischer Schüler“ zu hören bekam. „Warum kann so etwas nicht auch von deutschen Schulen veranstaltet werden?“ fragten sich viele, und seufzend meinte ein Studienrat: „Wenn ich da an unseren naturwissenschaftlichen Unterricht denke.“

Auf dieser Ausstellung, die kürzlich in Frankfurt am Main stattfand, waren die Arbeiten von fast 200 amerikanischen Schülern zu sehen, ausgewählte Spitzenleistungen aus den Schulen, die die amerikanische Armee in Europa unterhält. Etwa 7000 Schüler hatten sich am diesjährigen Wettbewerb beteiligt.

Auf langen Tischen waren die Ausstellungsobjekte in der Turnhalle der Frankfurter „American Highschool“ aufgebaut, eine bunte Fülle von Schautafeln mit graphischen Darstellungen, biologischen und chemischen Präparaten, physikalischen Geräten. Sogar lebende Küken und weiße Mäuse, die zu Beobachtungszwecken gedient hatten, saßen da in ihren Käfigen, umgeben von eindrucksvollen Kurven mit den Untersuchungsergebnissen.

Verlangt wird bei einer solchen „Science Fair“ die Darstellung eines biologischen, physikalischen, chemischen oder technischen Prinzips oder ganz allgemein irgendeines naturwissenschaftlichen Themas. Der Schüler muß seine Forschungsarbeit selbst planen und ausführen, darf sich aber von seinen Lehrern oder von anderer Seite beraten lassen. Die Darstellung muß so anschaulich sein, daß sie auch von Laien ohne weitere Erklärung verstanden werden kann. Bei der Preisverteilung werden besonders die selbständige schöpferische Leistung und das wissenschaftliche Denkvermögen bewertet, aber auch die Gründlichkeit der Ausführung, die Verständlichkeit der Demonstration

Die etwa neunzig Preisrichter – Spezialisten der US-Streitkräfte, amerikanische und deutsche Wissenschaftler und Lehrer – hatten ein schweres Stück Arbeit zu bewältigen. Ganz erstaunliche Themen hatten sich diese 12- bis 17jährigen Aspiranten der Wissenschaft gewählt: Ronald R. Baley aus Würzburg hatte den Kretinismus bei Ratten untersucht, und Barry R. Sheppard, dessen Vater in Bad Kreuznach stationiert ist, den Stereo-Klang. Vom MASER bis zum Gerät für die Entdeckung von U-Booten war fast jedes moderne technische Problem von den Kindern in Angriff genommen worden. Edward L. Möller, aus Ludwigsburg hatte sich mit der Wirkung von oralen Konzeptionsverhütungsmitteln auf die Taufliege Drosophila befaßt, während Francis A. Ray seinen Computer vorführte, der ein Spiel erlernen und es nach einiger Zeit gegen einen menschlichen Partner gewinnen kann.