Die Ausbildungshilfe für Studenten aus Entwicklungsländern steckt in einer Sackgasse

Von Heinz-Dietrich Ortlieb

Der Direktor der Akademie für Wirtschaft und Politik in Hamburg, Professor Heinz-Dietrich Ortlieb, ist der Meinung, viel von der heute geleisteten Wirtschaftshilfe an die Entwicklungsländer sei fragwürdig und obendrein vergeudet. Der materiellen und rein ökonomischen Hilfe müßte eine pädagogischgeistige voraus- oder zumindest parallelgehen. Das Wichtigste sei die Entsendung der richtigen Ausbildungshelfer in die Entwicklungsländer. Professor Ortlieb untersucht unter diesem Aspekt die deutsche Ausbildungshilfe an Studenten aus Entwicklungsländern. Er kommt dabei zu der ernüchternden Feststellung, daß wir noch weit davon entfernt sind, die verfügbaren Mittel für diese erzieherische Aufgabe optimal einzusetzen. Nicht etwa, weil uns die Fähigkeiten und der Wille dazu fehlen würden, sondern einfach weil die Institutionen und das System unserer Erziehung nicht auf die „Empfänger“ abgestimmt ist. Professor Ortlieb möchte mit seinem Beitrag nicht nur kritisieren, sondern auch einen Vorschlag zur Lösung des Problems unterbreiten.

Das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung der jungen exotischen Länder, die in den letzten Jahren ihre Selbständigkeit erlangt haben, ist nicht nur durch den Umfang der technischen und finanziellen Entwicklungshilfe bestimmt. Es muß auch der ökonomisch-technische Entfaltungs- und der soziale Anpassungsprozeß einigermaßen im Gleichschritt vonstatten gehen. Will man den Entwicklungsländern bei der Lösung der dabei entstehenden delikaten politischen und pädagogischen Probleme wirkungsvolle Hilfe leisten, so wird man in erster Linie dafür Sorge tragen müssen, daß ihnen mittlere und höhere Fach- und Führungskräfte zur Verfügung stehen, die so ausgebildet sind, daß sie einigermaßen mit diesen Problemen fertig werden.

Drei Wege stehen dafür offen:

  • die Entsendung europäischer Fachleute nach Übersee,
  • der Aufbau von Fach- und Hochschulen in den Entwicklungsländern selbst und
  • die Ausbildung exotischer Nachwuchskräfte an europäischen Schulen und Hochschulen.

Der erste Weg, die Entsendung europäischer Fachleute, wird zunächst kaum an Bedeutung verlieren können. Er stellt aber für die Entwicklungsländer aus verschiedenen Gründen auf die Dauer keine zufriedenstellende Lösung dar.