Von Zweistein

Mögen Sie logeln? Gehören Sie zu denen, die In gern logisch über ganz unwichtige Dinge nachdenken, beispielsweise ob sich der Barbier selbst rasiert, der alle Bewohner seines Dorfes rasiert, die sich nicht selbst rasieren, oder darüber, was es wohl bedeutet, wenn jemand sagt: „Es ist unmöglich, daß diese Unmöglichkeit unmöglich ist“? Die Sache mit dem Barbier ist schon eine sehr alte Geschichte. Sie hat ihre Wurzel im klassischen Altertum, wo sich griechische Logaler fragten, ob man Epimenides, dem Kreter, die Behauptung glauben, dürfe, daß alle Kreter lügen. Indessen: Logein sollte man nur zum Spaß, das kann man nicht oft genug betonen; denn allzu leicht können sich aus Logeleien Gerüchte bilden, wie seinerzeit, als der Apostel Paulus in seinem Brief an Titus die alberne Epimenides-Geschichte als harte Tatsache berichtete und damit den armen Kretern gewiß Unrecht tat: „Es hat einer aus ihnen gesagt, ihr eigener Prophet ‚Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche’.“ (Kapitel 1, Vers 12).

Logeleien brauchen indessen nicht immer unlösbar zu sein, wie die eben erwähnten Rätsel; wir wollen uns in dieser Serie sogar ausschließlich mit eindeutig lösbaren Aufgaben beschäftigen. Die Lösung steht irgendwo im Innern des Blattes – damit der Logelnde nicht allzu schnell zum Mogelnden werde. Es beginnt: Hier ist die erste Logelei (Wer denkt an Lorelei?):

*

„Ich wüßte gern, mit wie vielen Partnern ich in meinem bisherigen Leben gespielt habe“, sagt der Schachmeister, als man nach dem Turnier noch ein wenig zusammensitzt. „Ich habe meine Gegner auch nicht gezählt“, meint ein anderer, „aber eines weiß ich: Die Gesamtzahl derjenigen, die bis zur Stunde mit einer ungeraden Zahl von Partnern Schach gespielt haben, muß gerade sein.“

Wieso eigentlich?