Bei der Sanierung wandelte die Frisia am Rande der Legalität

Von Walther Weber

Lange genug hatten die 24 000 Kleinaktionäre der Erdölwerke Frisia AG, Emden, auf die Hauptversammlung gewartet, die ihnen endlich Aufschluß über das längst vergangene Geschäftsjahr 1961 geben sollte, von dem man wußte, daß es hohe Verluste gebracht hatte. Am 5. April war es endlich soweit. Etwa 300 Aktionäre und deren Vertreter waren in die niedersächsische Hafenstadt gekommen um zu erfahren, warum man sie so lange über die Lage ihres Unternehmens im unklaren gelassen hatte. Erst nach den Erklärungen der Verwaltung wollten sie sich entscheiden, ob sie ihr erneut das Vertrauen aussprechen konnten. – Sie taten es mit großer Mehrheit, wenn auch die Opposition, geführt von dem Züricher Rechtsanwalt Dr. von Arx recht erfolgreich war. Immerhin gaben 37 % der stimmberechtigten Vorzugsaktionäre dem Aufsichtsrat und dem Vorstand keine Entlastung, wenn man davon ausgeht, daß die Stammaktionäre ihr Votum stets für die Verwaltung abgegeben haben.

Zu Sensationen kam es allerdings nicht. Dazu gab weder die sachliche Argumentation des Hauptopponenten, noch die nunmehr recht auskunftsbereite Verwaltung einen Anlaß. Dabei hätten die Aktionäre sicherlich ein Recht gehabt unruhig zu werden. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes „ausgehungert worden.“ Vor allem wegen der langwierigen Abstimmungen mußten sie von 11 bis 17.30 Uhr in der Turnhalle auf ihren Plätzen ausharren, bis man ihnen gestattete, den bereitgestellten Imbiß zu sich zu nehmen.

Aber die Aktionäre sind bescheiden geworden. Vergessen scheinen für sie die Erklärungen des Zeichnungsprospektes von 1958, den die Emissionsbank, die Deutsche Girozentrale – Deutsche Kommunalbank – gegengezeichnet hatte:

Von der Aufnahme des vollen Betriebes des Unternehmens an, spätestens ab 1. 1. 1961, erhalten die Vorzugsaktien bei der Gewinnverteilung eine Vorzugsdividende von 6 %.

Oder an anderer Stelle: