BOCHUM (Kammerspiele):

„Broceliandc“ von Henry de Montherlant

„Eine schwarze Posse“ nennt Albert Schulze-Vellinghausen in der FAZ diese „Kammerfarce für nicht zu große Häuser“. Der ganz bescheidene Linksbürger Persilès wird von einem „Tick“ befallen. Ein Bibliothekar entdeckte nämlich, daß Herr Persilès ein Nachkomme Ludwigs des Heiligen ist. Aus dieser Herkunft destilliert der Held eine Mission. Als seine fortan schlecht behandelte Frau ihm die ganze Wahrheit verschafft, daß Persiles nämlich nur ein unehelicher Sproß des Heiligen, einer von vielen, ist, „erträgt der sympathische Don Quichotte die Rückkehr ins Leben nicht“ und erschießt sich. Es ist „zu vermuten, daß sich hier Montherlant ein bißchen zu befreien versucht hat. Er leidet selbst an dem Adelstick“. Die Posse ist ausgestattet, bis auf kurze Flauten, mit dem harten Relief einer wahrhaft brillanten Konversation (vorzügliche Übersetzung von Robert Schnorr). Die drei Rollen wurden in Bochum gespielt von Walter Uttendörfer (Persilès), Lisel Alex und Klaus Steiger. Regie: Hans Joachim Heyse.

DÜSSELDORF (Schauspielhaus):

„Woyzeck“ von Georg Büchner

Der Regisseur Werner Düggelin spielte das Fragment „mit sämtlichen Paralipomena und Textfetzen, Skizzenentwürfen und allem, was sonst in einfachen und eckigen Klammern in der Gesamtausgabe für die Philologen aufbewahrt wird.“ Doch „das Fragment wirkt in Düggelins Darstellung nur noch fragmentarischer“. Der Regisseur „legte spürbar Wert auf präzise Zeichnung des Milieus, der Verhältnisse, auf exakten Umriß der Profile, harten Kontrast der Charaktere“ (Die Welt). „Trotzdem blieb an diesem Abend all das aus, was diese Tragödie zu Weltdichtung erhebt... Es riecht nicht nach Blut, es gruselt nicht von Stimmen, es schauert nicht vor dem Abgrund ... Die Darsteller bleiben insgesamt Gefangene eines Volksstücks, in dem der Betrogene und als gütiger Mensch‘ verhöhnte Woyzeck von Werner Dahms recht blaß wirkt“ (Rheinische Post). „Die Marie gab Barbara Rütting in vollbusiger Sinnlichkeit ... (Marie) lebt aber auch als dumpfes Muttertier in ihrer Kate, sie klammert sich in naiver Gläubigkeit an die Bibel. Diese Seite nahm man der Rütting nicht ab.“ Über das Bühnenbild Jörg Zimmermanns: „Seine Aufbauten waren so brav herausgeputzt, als gelte es, ein Stück von Hauptmann zu illustrieren“ (Düsseldorfer Nachrichten). In weiteren Rollen: Arthur Mentz (Hauptmann), Alf Pankarter (Doktor), Günter König (Tambourmajor), Wolfgang Grönebaum (Andres).

HANNOVER (Ballhof):