Die deutschen Springreiter zählen zur Weltelite

Von H.-J. v. Killisch-Horn

Seit Jahren ist die deutsche Springreiterei für die bevorstehende „Grüne Saison“ des nationalen und internationalen Reitsports in seiner Spitzenklasse nicht mehr so gut gerüstet gewesen wie diesmal. Die kürzlich abgeschlossene Hallensaison mit den Großveranstaltungen in Hannöver, Berlin, Frankfurt und Dortmund hat darüber Aufschluß gegeben. Die Verluste des Jahres 1961, in dem sich so erfolgreiche Reiter wie Fritz Thiedemann, Magnus von Buchwaldt und Alfons Lütke-Westhues vom aktiven Sport zurückzogen und so berühmte Pferde wie Halla, Meteor, Ala und Armalva ihre Laufbahn beendeten, konnten ausgeglichen werden. An ihre Stelle sind Reiter und Pferde getreten, die in jahrelanger Arbeit herangereift sind und inzwischen in vielen Fällen genügend Erfahrung, Routine und Sicherheit besitzen.

Wie in jedem Turnierjahr, so gibt es auch für 1963 eine ganze Anzahl verschiedener Probleme, die keineswegs leicht „unter einen Hut“ zu bringen sind. Für den internationalen Reitsport rückt der Termin von Tokio näher. Dazu ist ein zielbewußter Einsatz auf CHIO’s im Ausland erforderlich, der die Pferde und teilweise auch die Reiter weiterhin in ihren Erfahrungen aufbaut. Im Reitsport des eigenen Landes vertreten die Spitzenveranstalter nationaler und internationaler Turniere ihren Anspruch auf möglichst lückenlose Teilnahme der deutschen Spitzenklasse, wobei nicht selten Terminüberschneidungen mit ausländischen Turnieren zu Komplikationen führen.

Außerdem laufen vom Frühjahr bis zum Spätherbst eine große Anzahl nationaler Turniere von überregionaler oder lokaler Bedeutung, die alle auf den Start von Spitzenklasse-Reitern Wert legen, um so ihre Veranstaltungen attraktiv zu machen. Auch die Reiter sind an diesen Veranstaltungen interessiert, um ihren jüngeren Pferden Startmöglichkeiten zu geben. Und schließlich spielen auch die lockenden Geldpreise für die Pferdebesitzer eine nicht unwesentliche Rolle; denn die Unterhaltung eines Turnierstalles ist teuer.

Das „freie Spiel der Kräfte“

Alle diese Komponenten verursachen den Führungsgremien des deutschen Reitsports – dem Hauptverband für Zucht und Prüfung deutscher Pferde (HDP) und dem Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) – jedes Jahr von neuem erhebliches Kopfzerbrechen. Zwar ist der Einfluß dieser Führungsstellen groß, weil der HDP als nationale Föderation im internationalen Reitsportverband für die Auswahl und Startgenehmigung deutscher Reiter im Ausland zuständig ist und das hierbei mitwirkende DOKR die Geldmittel und auch Pferde seines Stalles für offizielle Auslandsentsendungen zur Verfügung stellt. Ihre Gesprächspartner jedoch, die aktiven Reiter, sind fast alle ungebundene Privatleute, denen HDP und DOKR keinerlei Weisungen erteilen kann. Das hat seine Vorteile, aber auch seine Nachteile.