Prozeß gegen die Kroatische Kreuzbruderschaft

-t, Köln

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit erließ der Kölner Regierungspräsident kürzlich ein Verbot gegen eine Emigrantenvereinigung, die sich „Kroatische Kreuzbruderschaft“ nennt. Begründung: die Tätigkeit dieser Vereinigung laufe den Strafgesetzen zuwider und richte sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung. Außerdem gefährde sie die öffentliche Sicherheit in der Bundesrepublik.

In der Tat hatte die „Kreuzbruderschaft“ der Kroaten erst vor kurzem die „öffentliche Sicherheit“ gefährdet. Am 29. November überfiel eine Gruppe von Emigranten die jugoslawische Handelsmission in Mehlem und verletzte zwei ihrer Angehörigen durch Pistolenschüsse schwer. Der Tag war demonstrativ gewählt: am 29. November feiern die Jugoslawen ihren Unabhängigkeitstag.

Nach den Ermittlungen des Kölner Regierungspräsidenten gehörten alle 23 Attentäter der „Kroatischen Kreuzbruderschaft“ an. Diese Organisation wurde im Mai 1961 unter der Nummer 4 AR 16/61 in das Amtsgerichtsregister von Bensberg eingetragen. Als katholische Flüchtlingsorganisation, so erklärten die Emigranten damals, wollten sie den kroatischen Flüchtlingen in der Bundesrepublik behilflich sein. Im vergangenen Jahr aber beschloß ihr Vorstand, fürderhin mit Gewalt gegen den Kommunismus vorzugehen.

Der Vereinigung gehören in der Bundesrepublik etwa 200 Kroaten an. Sie stützen ihre Satzung auf die Tradition der gleichnamigen Kreuzbruderschaft aus dem Jahre 1929. Damals hatte sie freilich noch das Ziel religiöser Erziehung. Zu jener Zeit gehörten ihr auch viele katholische Priester an. Die „Kreuzritter“ überlebten den von Hitler und Mussolini gegründeten „unabhängigen Staat Kroatien“. Erst 1945, als die Kommunisten die Regierungsgewalt in Jugoslawien übernahmen, wurden sie verboten. Ihr letzter Präsident, der mit der antititoistischen Ustascha-Bewegung zusammengearbeitet hatte, Dr. Feliks Niedzelski, endete am Strang; Dr. Ivo Protulipac, sein Mitarbeiter, konnte zwar nach Italien entkommen, wurde aber in Triest von Kommunisten mitten auf der Straße erschossen.

Im August 1960 trafen sich in Königstein die Vertreter der „Verfolgten Kirche“ hinter dem Eisernen Vorhang auf einem Kongreß, der sämtliche in der Emigration lebenden katholischen Geistlichen aus Jugoslawien vereinte. Hier wurde die „Kreuzbruderschaft“ zu neuem Leben erweckt. Zu ihrem Führer wurde der Geistliche Rafael Medic aus Dortmund ernannt, der von der Staatsanwaltschaft Köln nun als der Inspirator und Organisator des Mehlemer Attentats erkannt wurde.