A. St., Hannover

Der Osterfrieden wird in Niedersachsen nicht von langer Dauer sein. Während schon heute die gelben Schilder mit dem Hermeskopf den Besucherder Landeshauptstadt auf das größte wirtschaftlich-spektakuläre Ereignis Hannovers, auf die Messe 1963 hinweisen, entstehen in den Werkstätten der Graphiker die blauen, roten und gelben Plakate für den Landtagswahlkampf. Nachdem die CDU, der größte Widersacher der regierenden SPD, ihren „Niedersachsen-Plan“ vorgelegt hatte, der nach dem Motto „Ihr habt alles schlecht gemacht – wir machen es besser“ Stimmen fangen soll, haben die Sozialdemokraten nun ein SPD-Programm präsentiert.

„Der 19. Mai“ so kündigte Erich Ollenhauer auf der Landeskonferenz der SPD in Hannover an, „soll in Niedersachsen als ein Siegestag für die SPD und die Bundesrepublik gefeiert werden“, und: „Die Bundesrepublik ist kein Erbhof für die CDU“. In Gegenwart der gesamten Ministerprominenz des Landes wurde das Landesprogramm der SPD für Niedersachsen einstimmig angenommen. Industrie ansiedeln, gesicherte Einkommen schaffen, höheren Wohlstand garantieren, die Leistungskraft der Wirtschaft steigern, krisenfeste Arbeitsplätze schaffen – so heißt es dort.

Im bedeutendsten Agrarland der Bundesrepublik, das weiß auch die SPD, kann man ohne die Stimmen der Bauern nicht regieren, und so wird Landwirtschaftsminister Kubels Politik unter dem Schlagwort „Domänenland in Bauernhand“ auch von einer künftigen SPD-Regierung fortgesetzt werden. Die Kulturpolitik des Landes, so heißt es in dem SPD-Programm, sei das Herzstück der Landespolitik. Dabei konnten die SPD-Sprecher auf drei bedeutende Dinge hinweisen, die in der SPD-Ära Niedersachsens verwirklicht wurden: Die VW-Stiftung zur Förderung von Forschung und Lehre im Bundesgebiet, das neunte Schuljahr an den Volksschulen und die 400 Mittelpunktschulen, die in dem Land der Zwerggemeinden den „Landkindern“ die gleichen Bildungsmöglichkeiten bieten sollen wie den „Stadtkindern“.

Hannovers Verkehrsminister hat inzwischen in einem Runderlaß die Wahl- und Lautsprecherpropaganda freigegeben. Vier Wochen lang werden nun in Niedersachsen die Wahlparolen an der Tagesordnung sein, „schmackhaft“ gemacht mit kurzen musikalischen Zwischenspielen, für die sich nach bisherigen Erfahrungen am besten Märsche wie „Alte Kameraden“ und „Preußens Gloria“ eignen.