Früher war es den Leuten nicht genug, zu schreiben, sie lebten ein Leben... Heute sind die Schriftsteller Beamte des Geistes; sie erleben nichts, und sie schreiben, was sie erleben.

Jacques Prévert

Volksnahe oder akademische Kunst

Seit den Kreml-Diskussionen (am 17. Dezember 1962 und 7./8. März dieses Jahres) nimmt in der UdSSR die Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst nicht ab. Der Kritiker und Literaturwissenschaftler Leonid Nowitschenko hat jetzt einigen jungen Autoren, darunter den Dichtern Mikola Wingranowskij und Jewgenij Jewtuschenko, mangelnde Bildung vorgeworfen. Zwar wird diese Bildung vor allem als marxistische und ideologische Bildung präzisiert. Aber an Jewtuschenko kritisiert Nowitschenko auch, daß er „niemals irgend etwas ernsthaft gelernt“ habe. Als ob es Normen für die Ausbildung von Lyrikern gäbe. Da lauert doch nicht etwa ein neuer Akademismus?

Walser in Edinburgh

Martin Walsers erstes abendfüllendes Drama, „Eiche und Angora“, wird eines der sechs Theaterstücke sein, die bei den nächsten Edinburgher Festspielen (im August) aufgeführt werden. Der englische Titel, „The Rabbit Race“, hat (zufälligerweise?) große Ähnlichkeit mit John Updikes „Rabbit, Run!“, dem zweiten Roman des jungen Amerikaners, in dem Hans Magnus Enzensberger verblüffende Parallelen zu Martin Walser entdeckte.

Verteidigung oder Werbung?