FÜR die, die ihre Bibliothek um eine der kostbarsten englischen Dichtungen bereichern möchten –

Samuel Taylor Coleridge: „Der alte Seefahrer“, englisch und deutsch, übertragen und herausgegeben von Heinz Politzer; Insel-Verlag, Frankfurt; 65 S., 10,80 DM.

ES ENTHÄLT, synoptisch angeordnet, Text und Neuübersetzung des 1797 entstandenen „Rime of the Ancient Mariner“ und ein erläuterndes Nachwort des in den Vereinigten Staaten lehrenden Germanisten Heinz Politzer.

ES GEFÄLLT, obwohl Politzer dort, wo er um des Reimes oder Metrums willen selber Einzelheiten erfinden muß, nicht immer eine glückliche Hand beweist, weil diese Übersetzung, nicht so glatt, nicht so „normalisiert“, nicht. so eingängig wie die Freiligraths, auch dem des Englischen weniger kundigen Leser einen zutreffenden Begriff gibt von diesem wunderlich-wunderbaren englischen „Reim“, diesem zu einer poetischen Einheit verschmolzenen Konglomerat aus Reisebericht, Seemannsgarn, Sage, Volksballade, esoterischer Philosophie, privater Dämonologie und christlichem Seelendrama. Den übernatürlichen Gegenständen „einen Anschein von Wahrheit zu verleihen, der genügt, diesen Schattengebilden der Phantasie jenes bereitwillige zeitweilige Aussetzen des Zweifels zu verschaffen, das den poetischen Glauben ausmacht“, war Coleridges erklärte Absicht; der alte Seefahrer ist das wichtigste dichterische Zeugnis dieser phantastischen Richtung der englischen Romantik. a. e.