Auf Probe

Professor Dr.-Ing. Siegfried Balke wird nun doch in das Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände eintreten, und zwar zunächst als Vizepräsident. Alle Gerüchte, die von einer relativ geringen Bereitschaft Balkes wissen wollten, eines Tages die Nachfolge des BDA-Präsidenten Paulssen anzutreten, scheinen damit gegenstandslos geworden zu sein. Tatsächlich ist aber der frühere Bundesminister für Atomkernenergie noch keineswegs fest entschlossen, sich im Dezember des Jahres wirklich der BDA-Mitgliederversammlung zur Wahl zur Verfügung zu stellen. Hier hat er sich ausdrücklich die freie Entscheidung ausbedungen. Das Amt des Vizepräsidenten, das ihm mehrfach angetragen wurde, hat er auch erst nach langen und reiflichen Überlegungen angenommen. Vor allem in seiner derzeitigen beruflichen Sphäre – er ist Universitätsprofessor, daneben in führender Position in der chemischen Industrie tätig und last but not least Bundestagsabgeordneter – sah er gewisse Schwierigkeiten, dieses Amt zu übernehmen. Seine Bedenken konnten jedoch vorerst zerstreut werden. Während seiner Vizepräsidenten-„Probezeit“ wird er nun für sich ganz allein zu prüfen und zu entscheiden haben, ob sein Bundestagsmandat auch noch mit dem Amt eines Arbeitgeber-Präsidenten zu vereinbaren ist.

Pressionen

Das Handwerk geht auf die Barrikaden. Große heftige Protestkundgebungen sind an der Tagesordnung. „Die Stimmung“, so resümiert der Zentralverband des deutschen Handwerks, „erinnert an Handwerksversammlungen in der Notzeit der zwanziger Jahre“. Als ob dem Verband diese von „Verdruß, Unwillen und Empörung“ geprägte Stimmung nicht recht gut in das Konzept paßte, um auf den Gesetzgeber in Sachen „Sozialpaket“ Pressionen auszuüben. Offiziell weist der Verband diesen Verdacht allerdings weit von sich. So betont er ausdrücklich, daß er beispielsweise die zu beobachtenden Tendenzen zur Wahlenthaltung weder wünsche noch unterstütze. Nur sollte die CDU einmal prüfen, ob ihre jüngsten Wahlniederlagen nicht vielleicht doch schon auf Wahlenthaltungen verärgerter mittelständischer Wähler zurückgeführt werden könnten. Das ist ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Nun rotten sich aber die Handwerker auch nicht aus eigenem Antrieb zu Tausenden zusammen, wie jüngst in der Rheinhalle zu Düsseldorf. Diese Protestaktionen werden vielmehr von den Handwerksorganisationen einberufen – um auch die ruhigste Handwerkerseele zum Kochen zu bringen. Um mit Präsident Wild vom Zentralverband des Deutschen Handwerks zu sprechen: „Wo kommen wir hin, wenn der Gesetzgeber jenen Gruppen nachgibt, die hemdsärmelig und drohend auftreten?“