Die freundliche Tendenz der letzten Wochen wurde durch die Bekanntgabe des Budgets unterbrochen. Der Haushaltsplan erfüllt die hochgeschraubten Erwartungen der Börse nicht. Dem Rentenmarkt kam der Stimmungsumschwung zugute. Mittel- und langfristige Anleihen verbesserten sich um einige Punkte, da das Budget keine „inflationistischen“ Züge widerspiegelt.

Auf dem Aktienmarkt wirkte sich auch die Beibehaltung der Heizölsteuer auf alter Höhe negativ aus. Sie rettete zwar die Bergwerke, läßt aber die Industrie insgesamt weiterhin mit hohen Kosten arbeiten. Die Heizölsteuer verschlingt etwa 50 Mill. Pfund im Jahr. Neben der Stahlindustrie leiden besonders die Zement-, Glas- und Maschinenbauindustrie unter dieser Steuer. Die Kurse der betreffenden Gesellschaften fielen entsprechend zurück. Die Verbrauchssteuer wurde ebenfalls unverändert beibehalten. Kaufhauswerte und die Verbrauchsgüterindustrie verzeichneten eine uneinheitliche Tendenz. Die Regierung hat allerdings die Möglichkeit offengelassen, diese Verbrauchssteuer jederzeit um 10 % nach unten oder oben zu verändern. Banken, Brauereien und Grundstückswerte sind augenblicklich wenig gefragt. Bei den Versicherungen erhöhten Legal & General die Dividende auf 300 % p. a. nach 190 % p. a. und geben Gratisaktien im Verhältnis 1:2 aus. Jedoch machte dieses Beispiel wenig Schule bei den anderen Versicherungswerten. Phoenix Assurance konnten die Dividende nur beibehalten. Anleger operieren sehr vorsichtig in diesen „Wachstumswerten“ mit geringen Renditen. Der Versicherungssektor war der schwächste Teil der Börse überhaupt. Bis zu 7 1/2 % betrugen die Kursverluste bei den führenden Versicherungsaktien.

Der andere börsenbeeinflussende Faktor neben dem Budget war die englische Innenpolitik. Das breite Börsenpublikum denkt an das Ergebnis der nächsten Unterhauswahlen. Die Reden führender Männer der Labour-Partei über eine nationale Versicherung, Kontrolle der Mieten und Grundstückspreise und Verstaatlichungen lassen wenig Börsenoptimismus aufkommen.

Die Verwaltung der Th. Goldschmidt AG (Essen) schlägt für 1962 wieder 17 % Dividende auf die Stammaktien (24,55 Mill. DM) vor. Der bisherige Verlauf des Geschäftsjahres 1963 läßt ein zufriedenstellendes, wenn auch nicht auf allen Gebieten gleich gutes Ergebnis wie 1962 erwarten. Hauptversammlung am 16. Mai. Der Umsatz nur der Muttergesellschaft ist 1962 um 9 Mill. DM (7 %) auf nahezu 128 Mill. DM gestiegen, der des Konzerns von 195 auf rund 215 Mill. DM. Investiert wurden bei der Mutter 1962 knapp 10,0 gegen 14,5 Mill. DM im Vorjahr.

D. Sch.