Mit größerer Stimmenmehrheit als man bei dem scharfen Kapitalschnitt und der Überpari-Emission rechnen konnte, hat die Aktionärsversammlung der Aschaffenburger Zellstoffwerke AG, Redenfelden, den Sanierungsvorschlag der Verwaltung gebilligt. Wenngleich diese erste Hürde relativ glatt genommen wurde, ist noch nicht abzusehen, wie sich der Pferdefuß dieses Abstimmungsergebnisses bemerkbar machen wird. Drei Aktionäre gaben nämlich Protest zu Protokoll, womit nicht nur die Eintragung in das Handelsregister, sondern eventuell auch die Bürgschaft in Frage gestellt wird. Aufsichtsratsvorsitzender Max Geiger warnte vor einem Schaden für die Gesellschaft, der gar nicht abzusehen sei. Zumindest ist man nun für vier Wochen blockiert und muß abwarten, ob Klage erhoben wird.

Obwohl sich die Verwaltung manches harte Wort der Kritik gefallen lassen mußte, verlief die Debatte im großen und ganzen sachlich. Weniger als 1 % der vertretenen Stimmen – rund 80 % des Aktienkapitals von 53,63 Mill. DM waren vertreten – stimmten gegen die Herabsetzung 3:1 auf 17,88 Mill. DM und Wiedererhöhung 1:1 zu 110% auf 36 Mill. DM. Wie die Verwaltung betonte, ist die Abnahme von zwei Dritteln der neuen Aktien bereits gesichert.

Geiger sagte, daß zwischen Kapitalerhöhung und Schuldentilgung kein Zusammenhang bestehe, also nicht mit den Geldern der Aktionäre die Ansprüche von Gläubigern befriedigt würden. Dagegen könnten Forderungen an die Gesellschaft hier und da in Aktienkapital umgewandelt werden. Meist klang in der Debatte die Skepsis der Aktionäre durch, ob mit den geplanten neuerlichen Investitionen der Durchbruch zur Rentabilität geschafft werden könnte. Ein Sprecher meinte, man solle „mit dem sanieren, was man hat“.

Dem Vorwurf, daß zwischen der technischen und der kaufmännischen Leitung des Unternehmens Gegensätze bestünden, hielt die Verwaltung ein Gutachten der Deutschen Treuhandgesellschaft entgegen, das die Ordnungsmäßigkeit der Unternehmensführung bescheinigt.

Vorausgesetzt, daß ihr die Marktstudien recht geben, hofft die Verwaltung in drei bis vier Jahren in die Gewinnzone zu kommen. Für 1963 rechnet man mit einem Verlust, der jedoch unter Berücksichtigung der vorweggenommenen Abschreibungen von 12,6 Mill. DM unter 10 Mill. DM liegen werde. Die Verwaltung ist sich darüber im klaren, daß die Erweiterung der Papierkapazität Absatzprobleme mit sich bringen wird. Gleichwohl hofft man, daß die neue Papiermaschine in Stockstadt – sie soll Mitte August anlaufen – zwei Drittel ihrer Produktion wird am Markt absetzen können. Gleichzeitig sollen alte Papiermaschinen stillgelegt werden. Aschzell vertraut der These, daß den deutschen Papierfabriken ein deutscher Konkurrent lieber sei als rigoros preisdrückende Einfuhren. Im übrigen werde die neue Maschine in Stockstadt auch bei niedrigen Importpreisen rentabel arbeiten. Kritisiert wurde, daß die Europäische Investitionsbank in Brüssel zwar die Finanzierung einer neuen Zellstoffabrik in Belgien unterstütze, für die Erhaltung der Zellstoffindustrie in Deutschland jedoch keine Umstellungskredite genehmigt habe. t.r.