NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Donnerstag, 11. April, das Feature:

Ein ungewöhnliches Dokument war im Dritten Programm zu hören: Stimmen aus der Weltabgeschiedenheit eines Klosters der Karmeliterinnen in Bologna. Mikrophone waren in die Zone strengster Klausur gelangt, in der zwanzig Stunden täglich das Schweigen herrscht.

Der italienische Reporter Sergio Zavoli hatte die Erlaubnis erwirkt, mit Nonnen zu sprechen, die niemals das Kloster verlassen, zu denen kein Laut der Welt dringt und deren Stimmen niemand außerhalb dieses Klosters jemals vernimmt. Die dem Kloster vorstehende Geistlichkeit – man sagt, ein Onkel Zavolis habe darin eine wichtige Position – befahl einigen Nonnen, zu lernen, wie man ein Mikrophon bedient.

Der Horcher am häuslichen Radiogerät vernimmt erschüttert, wie die Nonnen, deren oberstes Gesetz der Gehorsam ist, dem Befehl zu diesen Gesprächen und Aufnahmen gehorchen. Was diese – für wenige Stunden aus ihrer übermenschlichen Isolierung gerissenen – Frauen sagen, ist bewegend, obwohl und weil es nur sein kann, was zu sagen ihnen erlaubt ist. Aber in welcher Art sie es sagen, mit Stimmen, die nicht von dieser Welt sind, bewegt am meisten.

Selbstverständlich wäre die Sendung zerstört worden, hätte man versucht, die italienischen Worte durch deutsche Schauspielerinnen nachsprechen zu lassen. Wolfgang Schwade handhabte die Regie der deutschen Fassung behutsam und taktvoll. Die unnachahmlichen Stimmen blieben, und der wichtigste Inhalt wurde – teils kurz zusammengefaßt – ruhig dazwischengesetzt. „Die Stimme der Frommen“ – so der Untertitel der Sendung – geht einem lange nicht aus dem Sinn. RH