Mit 129 Mann an Bord ist das amerikanische Atom-U-Boot Thresher im Atlantik gesunken. „...prüfen Tiefe“, war der letzte, verstümmelte Funkspruch, der aufgefangen wurde. Wie konnte ein solches Unglück geschehen? Eine Untersuchungskommission versucht, die Ursachen der Katastrophe zu entdecken. Das Ergebnis dieser Untersuchungen könnte das Bauprogramm der US-Marine und die Pläne für eine multilaterale Atommacht entscheidend beeinflussen.

Die Thresher war das erste Boot einer neuen Serie von „Angriffsbooten“. Sie zeichnen sich durch hohe Geschwindigkeit, große Tauchtiefe und Geräuschlosigkeit aus. Sie sind im Gegensatz zu den Booten der Polaris-Klasse nicht mit Fernraketen ausgerüstet; dafür aber verfügen sie über alle Hilfsmittel der Unterwasser-Jagd: Weitreichende und sehr empfindliche Ortungsgeräte, Torpedos mit automatischer Steuerung und ein neues Waffensystem SUBROX, eine Kombination von Raketen und Torpedos.

Die hohe Geschwindigkeit und die erstaunliche Manövrierfähigkeit werden erreicht durch einen speziell konstruierten Kernreaktor und durch den tropfenförmigen Schiffsrumpf. Über Wasser wirkte die Thresher schwerfällig, unter Wasser jedoch war sie in der Lage, schnelle Wendemanöver auszuführen und in einem Winkel von 20 bis 40 Grad zu tauchen – mindestens 300 Meter tief, wenn nicht noch mehr. Die Höchstgeschwindigkeit unter Wasser, so schätzt man, liegt beträchtlich über 25 Knoten. Die Außenwand des Bootes ist mit einer schallschluckenden Schicht versehen, die Motoren sind auf Gummi gelagert. Bei „Schleichfahrten“ war die Thresher für andere Boote praktisch unhörbar.

Über die Ursache des Unglücks gibt es nur Vermutungen. Am wahrscheinlichsten ist es, daß ein Materialfehler aufgetreten ist. Genaueres wird man darüber wohl nie erfahren; grundsätzlich aber wird nun die Frage gestellt, ob die menschliche Reaktionsfähigkeit überhaupt ausreicht, um die immer tiefer tauchenden und immer schneller fahrenden Boote sicher in der Hand zu behalten. Die US-Marine entwickelt gegenwärtig ein neues automatisches Kontrollsystem, das die menschlichen Schwächen kompensieren soll. Es wird allerdings Jahre dauern, bis dieses System ausgereift ist.

Noch eine zweite Frage wird nach dem Verlust der Thresher diskutiert. Ist ein U-Boot mit einer gemischten Besatzung betriebssicher? Bei den Gesprächen über eine multilaterale Atommacht war vorgeschlagen worden, die Atom-U-Boote mit Seeleuten aus verschiedenen NATO-Ländern zu bemannen. Die amerikanische Marine hat von diesem Vorschlag nie viel gehalten. Jetzt aber heißt es im US-Admiralstab: Wenn schon die Thresher mit einer sorgfältig ausgewählten und ausgebildeten homogenen Besatzung unterging, wie soll dann ein noch komplizierteres Boot der Polaris-Klasse mit einer gemischten Besatzung bei Unfällen sicher sein? –l