In unserer Arbeit ergab sich zunächst, daß das Wort „Beamter“ – gleichgültig, ob es sich um den einfachen, den mittleren, den gehobenen oder um den höheren Dienst handelt – ganz bestimmte Vorstellungen anklingen läßt: „Ordnung“, „Intelligenz“, „Männlichkeit“, „ein typischer Deutscher“ und so weiter. Ganz und gar nicht passen zu diesem Wort „Gemüt“ und „Erschöpfung“.

Obwohl sich die von uns befragten Personen diesen Zusammenhang kaum klargemacht haben dürften, tritt hinter diesem Wort auch heute noch der strenge, aber gerechte Landesherr in Erscheinung, der einige seiner „hoheitsrechtlichen Befugnisse“ (Grundgesetz, Artikel 33, Absatz 4) dem Beamten delegiert hat und ihn durch ein nahezu sakrales „Dienst- und Treueverhältnis“ an sich bindet. Zu gut 70 Prozent konnten sich daher auch unsere Befragungspersonen nicht vorstellen, daß Beamte streiken. Die Beamten selber waren zu 73 Prozent dieser Ansicht. Was das Wort „der Beamte“ anlangt, so erfüllen es die Beamten mit etwa den gleichen Vorstellungen wie die Nichtbeamten – allerdings sehen sie sich selbst um ein bißchen „gütiger“ und „liebreicher“, als die Öffentlichkeit es tut.

Das Ausmaß der Übereinstimmung zwischen verschiedenen Befragungsgruppen war erstaunlich groß, um so überraschter waren wir, als wir auf eine Gruppe stießen, die uns ein ganz anderes Bild präsentierte. Anfangs zweifelten wir an dem Ergebnis, aber eine Nachuntersuchung im Abstand von zwei Jahren bestätigte den Befund: Studenten meinen nicht „Intelligenz“ und „Männlichkeit“, wenn sie jemanden als „Beamten“ bezeichnen, sondern „Sklaverei“, „Tod“ und „ein altes Weib“.

Gewiß haben unsere studentischen Befragungspersonen heute nicht mehr Hitlers „Mein Kampf“ gelesen; aber dort findet sich ungefähr das gleiche Bild: „Ich wollte nicht Beamter werden, nein und nochmals nein... Mir wurde gähnend übel bei dem, Gedanken, als unfreier Mann einst in einem Büro sitzen zu dürfen; nicht Herr sein zu können der eigenen Zeit, sondern in auszufüllende Formulare den Inhalt eines ganzen Lebens zwangen zu müssen.“

Im Augenblick stehen wir diesem Ergebnis noch etwas ratlos gegenüber; wir vermuten aber – etwas schweren Herzens –, daß wir es hier mit einem Aspekt der sehr problematischen Beziehung unserer akademischen Jugend zum Staat zu tun haben, den man sich oft nicht ungern als eine „abgestorbene“ Einrichtung vorstellt.

Und wie sehen Beamte aus? Die Frage ist natürlich unsinnig; denn unter den jeweils mehreren Hunderttausenden von Angehörigen der vier Laufbahnen gibt es sicher nahezu alle in Deutschlaid überhaupt vorkommenden Gesichtstypen. Dennoch: Die Öffentlichkeit „weiß“ Bescheid: ein Beamter des gehobenen oder des höheren Dienstes trägt die Züge unseres Herrn B (Abbildung); ein Beamter des einfachen Dienstes sieht gewiß nicht so aus, er erinnert eher an die Herren A, M und N. Auch die Beamtenschaft selbst „weiß“ Bescheid, indem sie die Bilder P und B für sich in Anspruch nimmt, dafür aber die Bilder J und O energisch ablehnt.

Aus den Bildwahlen läßt sich erschließen, welche Eigenschaften den Beamten zugeschrieben werden. Dabei stülpt sich ein Vorurteil über das andere, nämlich die populär-psychologische Meinung, daß zwischen Gesichtsform und Charakter ein fester Zusammenhang bestehe, über die Meinung, Beamte hätten ganz bestimmte Gesichter.