leserstimmen zur Kritik an der „Deutschen Mark“

Ich las mit Interesse Ihren Artikel (Willi Bongard, „Rollschuhe müssen Lärm machen“, ZEIT Nr. 14), in dem Sie sich sehr kritisch mit der „Deutschen Mark“ – Erste Zeitschrift mit Warentests – auseinandersetzen. Leider hat man beim Durchlesen dieser Arbeit den Eindruck, daß sie eine Gegenattacke auf den Angriff der DM gegen die Werbewirtschaft ist. Ich kann durchaus verstehen, daß ein so mächtiger Wirtschaftszweig, der Milliarden verwaltet und verteilt, sich zur Wehr setzt. Doch mir scheint, daß Ihr Angriff ebensoweit über das Ziel hinausschiebt wie die von Ihnen herangezogene berühmte Seite „Zur Lage“ der DM. Ich kann nicht ganz verstehen, aus welchen Gründen DIE ZEIT die Werbewirtschaft so vehement verteidigt. Es sei dahingestellt, ob die „deutsche Werbung in Ordnung ist“ – die DM ist es noch nicht. Aber ich glaube, die Leser und auch Sie, die Presse, sollten doch etwas Nachsicht üben, denn offensichtlich ist die Materie außerordentlich schwierig, offensichtlich wird die Zeitschrift von jungen Leuten gemacht, offensichtlich ist das Gebiet für den deutschen Journalismus vollkommenes Neuland, offensichtlich müssen diese Leute erst zur neuen Kategorie der „Testjournalisten“ heranreifen, offensichtlich aber braucht der Konsument Hilfe (auch von der Werbewirtschaft!) und ganz offensichtlich hat die deutsche Verbrauchsgüterindustrie herbe Kritik bitter nötig.

Horst Grompe, Aschaffenburg

Mit Recht begrüßen Sie die Existenz einer Zeitschrift, die zum Nutzen des Verbrauchers Warentests veröffentlicht. Wenn man an die Anfangsschwierigkeiten denkt, die überwunden werden mußten, wenn man in Betracht zieht, daß etwa innerhalb eines Jahres die Auflage auf fast eine halbe Million gestiegen ist – so muß man schon von einer respektablen Leistung sprechen. Gewiß würde das Deutsch der „DM“ einer scharfsinnigen Analyse von Enzensberger nicht standhalten, gewiß könnten manche Tests sorgfältiger sein, gewiß sind die Redakteure auch mit menschlichen Schwächen behaftet – aber die Vorteile überwiegen hier m. E. die Nachteile doch bei weitem.

Sven Künstler, Wuppertal-Barmen

Die erste Reaktion auf den Artikel „Rollschuhe müssen Lärm machen“ war nicht: „Deutsche Mark abbestellen“, sondern: „DIE ZEIT abbestellen“, zumal Bongard dem Leser sicher mit Absicht den Eindruck vermittelt, er gebe die Meinung seiner gesamten Redaktionskollegen wieder. Ich bin nämlich Abonnent beider Zeitschriften und kann nach der Lektüre dieser nicht einmal gekonnten Polemik mit meiner Stellungnahme nicht zurückhalten. – Der Autor bricht eine Lanze für die arme Industrie, die doch leider keine vergleichende Werbung treiben dürfe, was die DM sich nun zunutze mache. Es ist doch geradezu grotesk, unterstellen zu wollen, es gäbe nur die Alternative zwischen vergleichender Werbung und der, die uns fast ausschließlich geboten wird. Ist es denn möglich, daß Bongard die dritte Möglichkeit, die der sachlichen Werbung übersieht? Oder will er sie übersehen? Warum erklären die Hersteller in den seltensten Fällen die sachlichen Vorzüge ihrer Produkte (dazu ist kein Vergleich nötig)? Statt dessen wird mit Riesendarstellungen von Firmen- oder Markennamen das Unterbewußtsein der Konsumenten bombardiert, wird mit viel Sex drapiert, was mit Sex nichts zu tun hat, werden primitive Slogans erfunden, die sich auch gegen den Willen des Lesers oder Hörers ins Gedächtnis einprägen sollen. Zu all dem sagt die „Deutsche Mark“: „Die deutsche Werbung ist nicht in Ordnung“. Und damit hat sie recht. Ich verstehe nicht, warum sie nicht trotzdem als Werbeträger fungieren können soll, immerhin hat sie es erreicht, daß viele ihrer Inserenten sich schon um sehr viel sachlichere Werbung bemühen als in anderen Zeitungen.

Jürgen Faber, Hamburg-Winterhude