Auch in der Hauptversammlung der Phoenix-Rheinrohr AG wurde erwartungsgemäß zum Thema Zusammenschluß mit der August Thyssen-Hütte Stellung genommen. In der Nuancierung unterschied sich die Erklärung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Prof. Dr. Robert Ellscheidt, durchaus von den bei der August Thyssen-Hütte gemachten Äußerungen. Das kann Zufall sein. Jedenfalls wies Prof. Ellscheidt ein mit der Übernahme der Phoenix-Mehrheit durch die Thyssen-Hütte möglicherweise begründetes Abhängigkeitsverhältnis entschieden zurück. Es sei keine Fusion zwischen den beiden Unternehmen geplant, und Phoenix-Rheinrohr werde auch keine „gehorchende Tochter“ einer „befehlenden Mutter“ werden. Nach Prof. Ellscheidt werden die Beziehungen der beiden Konzerne zueinander eher einem „Freundschaftsverhältnis unter erwachsenen Geschwistern“ gleichen.

Personelle Veränderungen im Aufsichtsrat und Vorstand von Phoenix-Rheinrohr werde es keinesfalls geben, hieß es. Auch auf die Frage eines Aktionärs, ob die freien Aktionäre des Röhren-Konzerns ein Umtauschangebot zu erwarten hätten, gab Prof. Ellscheidt eine eher ablehnende Antwort. Über in diese Richtung zielende Schritte seien keine Beschlüsse gefaßt. Aber es mag die Aktionäre beruhigen, daß der Aufsichtsratsvorsitzender von Phoenix-Rheinrohr ihnen versicherte, sie könnten für den Fall, daß die Thyssen-Hütte ihnen doch einen Aktienumtausch anbieten sollte, damit rechnen, diesen zu den gleichen Bedingungen zu erhalten, die der Großaktionärin eingeräumt worden sind. Die freien Aktionäre würden, so betonte Prof. Ellscheidt wörtlich, „Aktie für Aktie“ die gleiche Umtauschrelation erzielen, obwohl die Großaktionärin ja ein geschlossenes Paket anzubieten hat.

Das für die August Thyssen-Hütte vorgesehene Umtauschverhältnis liegt bekanntlich bei 1:1. Wenn die beiden Konzerne die Möglichkeiten der nun gegebenen Zusammenarbeit voll ausschöpfen wollen, werden sie allerdings kaum auf ein Organschaftsverhältnis verzichten können Und dann hätten die freien Aktionäre jedenfalls mit einem Angebot der „nicht befehlenden“, sondern „befreundeten“ Mutter ATH zu rechnen. nmn