Ulbrichts Grenzpolizei hat über Ostern fünf englische Anti-Atom-Demonstranten abgeschoben. Man möchte sich gern darüber entrüsten, aber man kann nicht: Unsere Polizei hat es kein Haar anders gemacht. Sie hat abgeschoben, wo es sein mußte (und auf Weisung des Bundesinnenministers mußte es offenbar sein), und sie hat ausländische Ostermarschierer gar nicht erst hereingelassen, wo es ging. Es ging an der dänischen Grenze, und es ging in Düsseldorf.

Was sich dort auf dem Flughafen von Lohausen abspielte, wo sich ein halbes Hundert britischer Atomwaffengegner in ihrem Flugzeug verschanzte, mag eine Komödie gewesen sein. Aber zugleich war es für unseren Staat eine Schande. Fühlt er sich wirklich so schwach, daß er Demonstrationen verbieten muß?

Wir betrachten die Ostermärsche mit Skepsis und haben mit Klampfe spielenden Beatniks wie mit „Friedensspionen“ nichts gemein. Aber soweit die Atomgegner eine ehrliche politische Überzeugung vertreten und die Gesetze des Staates achten, hat dieser Staat kein Recht, Demonstrationen zu untersagen. Und wenn ihre ausländischen Gesinnungsfreunde daran teilnehmen wollen – bitte sehr.

Friedrich der Große hätte ihre Plakate niedriger hängen lassen, doch soweit sind wir offenbar noch nicht wieder gekommen. Wir verbieten. Am nächsten Tag liest man dann in der Zeitung: „Verschiedentlich kam es zu Zwischenfällen. Die bedeutendsten ereigneten sich in Düsseldorf und Ostberlin“. Und man fragt sich, ob solche freiwillige Gleichschaltung am Ende der letzte Rest der deutschen Einheit ist. ts