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Von Ortwin Fink

Fähren sind ein Stückchen schwimmender Straße. Sie ersetzen auf kürzester Strecke einen fehlenden oder umständlichen Landweg. Fähren also sind nicht für das Wasser gebaut sondern gegen das Wasser. Dennoch bieten viele von ihnen den hohen Genuß einer Schiffsfahrt demjenigen, der zwar nicht seinen ganzen Urlaub auf Planken verbringen will, aber doch ganz gern seine Bahn-, Auto- oder Flugreise mit einer Fahrt auf dem Schiff koppelt.

Es gibt zweierlei Arten von Fähren: Solche, die man benutzen muß, weil kein anderes Verkehrsmittel zum Ziel führt, und solche, die man wählen kann, die aber einem Landverkehrsmittel gleichwertig, mitunter über- oder unterlegen sind. Wir wollen hier nicht den Fährmann mit seinem Flußnachen besehen, denn davon gibt es viele Tausend allerorten; hier sei nur ein kleiner Überblick gegeben über die wichtigsten Fährstrecken im europäischen Reiseverkehr, die zu passieren man über zwei Stunden genießen kann.

Die längste Fährstrecke, die von einem europäischen Hafen nach New York, hat schon im vorigen Jahr eine recht wenig bekannte Abzweigung bekommen: Auf ihrer Aus- und Rückreise von und nach Europa kann man die großen Luxusdampfer sechs niederländischer Reedereien benutzen, wenn man nach England will. Für die Zeit von einigen Stunden kann man sich zwischen Rotterdam und Southampton (oder umgekehrt) als „Überseepassagier“ fühlen. Natürlich stehen da auch für eiligere Reisende jene Schiffe zur Verfügung, die den Kanal zwischen Hoek van Holland oder Ostende direkt kreuzen.

Müßig wäre es, alle Fähren des Mittelmeeres nennen zu wollen; es gibt deren viele Hundert zumeist auf sehr kurzen Strecken von Insel zu Insel. Die genauen Verhältnisse hier kann man erst an Ort und Stelle erkunden, aber findigen Reisenden sei es sehr empfohlen, mehrere Stationen oder gar die ganze Rundfahrt eines jener Schifflein zu absolvieren, die in der griechischen Inselwelt ihren unentbehrlichen Dienst tun.

Das andere Reich solcher Kurzstreckenfähren sind die norwegischen Gewässer, die Schären und Fjorde, und als Haupthäfen gelten Oslo, Bergen und Tromsö. Hier braucht man für die kürzeste Strecke wiederum nur Viertelstunden, für die längste aber, von Bergen bis hinter das Nordkap, vier bis sechs Tage.