Eins, zwei, drei, deine Augenlider werden schwer, vier, entspanne dich, vier, fünf, sechs, jetzt kommt gleich deine Zahl, sechs, sieben, schlafe ein, sieben, schlafe...“ Damit beginnt der Unterricht in Dr. Mario Bellinis Klasse in der St.-Vincent-Schule im oberitalienischen Städtchen Bergamo, Die einschläfernden Sätze – von Bellini auf Band gesprochen – werden den Buben per Kopfhörer suggeriert. Einer nach dem anderen nicken die Jungen ein, und bald schläft die ganze Klasse.

Jetzt fängt das Lernen an. Dr. Bellini nimmt ein Mikrophon, zur Hand und rezitiert, ein Gedicht. Dann kommen Rechenexempel an die Reihe: „Drei mal siebzehn ist einundfünfzig, plus mal minus, ist immer minus, achtundzwanzig mal sechs...“

„Der hypnotische Schlaf schaltet die Widerstände gegen das Lernen aus“, doziert der kleine schnauzbärtige Psychologe mit den stechenden Augen, „ich brauche ein Gedicht nur einmal vorzulesen, schon haben es die Jungen fest im Gedächtnis.“

„Arme Kinder“, entfährt es mir, „wehrlos, den Lesebuchgedichten und der Arithmetik ausgeliefert...“

„Oh, Sie dürfen nicht denken, daß meine Schüler wie Papageien dressiert, werden“, antwortet Bellini, „wenn ich zum Beispiel eine falsche Rechenaufgabe einschmuggle, wird sie nicht memoriert. Sie fällt aus dem Gedächtnis, wie ein falsches Geldstück aus dem Automaten.“

„So, und nun wachen wir alle wieder auf, ganz ruhig, jetzt wird aufgewacht...“, flüstert Bellini seinen Zöglingen durch den Draht zu, und mit ganz normalem Gebrüll stürzen sich zwanzig italienische Jungen auf den Schulhof. V. G.