Mit flammend-roten Anzeigen werden den Hausfrauen derzeit Kochtöpfe angeboten, die jeder Hitze trotzen sollen. Neue Materialien, die den Oberst Glenn und die anderen amerikanischen Astronauten vor dem Feuertod beim Wiedereintauchen in die Erdatmosphäre schützten und die Spitzen der Atomraketen vor dem Verglühen bewahren, finden ihren Weg auf unseren Kochherd.

Deutlicher läßt sich kaum demonstrieren, wie weit die Auswirkungen der Raumfahrttechnik in das Leben jedes einzelnen hineinreichen. Aber Raumfahrttechnik findet bei uns in der Bundesrepublik kaum statt. Bundespräsident Lübke sagte kürzlich mahnend: „Wer kauft schon von einer Industrie, die die neuesten Forschungs- und Entwicklungsergebnisse auf dem Gebiet der Raumfahrt nicht kennt und deshalb auch nicht verwerten kann.“ Er sprach von einer „historischen Aufgabe“, als er forderte: „Wir müssen versuchen, den verlorenen Anschluß an die mit Riesenschritten vorwärtseilende Forschung und Technik durch aktive Beteiligung an der Erforschung und Nutzbarmachung des Weltraums wiederzugewinnen.“

Der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie hält ein Programm, das der europäische Raumfahrt-Industrieverband EUROSPACE jetzt vorgelegt hat, für eine „einmalige und letzte Chance, durch Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarstaaten endlich den Anschluß an den internationalen technischen Standard zu erringen“. 2,4 Milliarden DM erfordert das Programm in den nächsten vier Jahren von den beteiligten Staaten – 0,17% des Bruttosozialprodukts, etwa ein Sechstel dessen, was die Amerikaner für diese Zwecke ausgeben. Schwerpunkte des Vierjahresplans sind wirtschaftliche Programme wie Nachrichten- und Navigationssatelliten, deren Kosten durch Telephon-und Fernsehgebühren wieder hereinkommen sollen. Der Bundestag sollte sich an die Worte des Bundespräsidenten erinnern, wenn die Forderung an ihn herantritt, das EUROSPACE-Programm fördern. H. M.