Die Westfalenbank AG, Bochum, die größte unter den filiallosen Regionalbanken, ist auch im Geschäftsbericht 1962 wieder recht sparsam mit ihren Erläuterungen der einzelnen Positionen. Sie kann sich das leisten, denn sie hat einen festen Kreis von etwa 50 Aktionären, in der Hauptsache Firmen aus dem rheinischwestfälischen Industriebereich. Diese sind ohne weiteres in der Lage, sich zusätzliche Auskünfte zu besorgen, ohne daß die Bank deshalb zuviele ihrer Geheimnisse preiszugeben braucht. Der festgefügte Aktionärskreis erlaubt der Bank, nicht nur sparsam in der Aufgliederung ihrer Bilanzpositionen zu sein, sondern auch eine Geschäftspolitik zu betreiben, die auf reiner Zweckmäßigkeit beruht. Die Aktionäre sind weder auf Dividendenzahlungen angewiesen, noch brauchen sie den Wert ihrer Aktien durch einen möglichst hohen Gewinnausweis bestätigt zu sehen.

Die Westfalenbank gehört zu den wenigen Kreditinstituten, die der Öffentlichkeit nicht einmal Einblick in ihre Steuerpositionen gewähren. Verwaltungskosten und Steuern werden zusammen mit 18,4 (19,1) Mill. ausgewiesen. Da nicht anzunehmen ist, daß es dem Institut gelungen ist, die Personalkosten zu drücken, sondern man auch hier davon ausgehen muß, daß sie zwischen 5 und 10 % gestiegen sind, wird der Rückgang allein auf die Position „Steuern“ entfallen. Er zeigt, daß auch hier das rückläufige Effektengeschäft und Abschreibungen auf Aktienbestände seine Spuren hinterlassen haben. An größeren Insolvenzen ist die Westfalenbank im Geschäftsjahr 1962 nicht beteiligt gewesen. Deshalb dürften sich die Einbußen im Kreditgeschäft im üblichen Rahmen gehalten haben.

Die Gewinn- und Verlustrechnung ist auf die Zahlung einer Dividende von 16 % abgestellt. Daß daneben noch beträchtlich mehr erwirtschaftet worden ist, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, auch wenn die Bank nicht sichtbar zeigt, wo sie mit den Gewinnen geblieben ist. Sie verzichtet nämlich auf die Anreicherung der offenen Reserven, „weil sie mit 35 Mill. das Grundkapital bereits um 5 Mill. übersteigen. Die versteuerten stillen Reserven hingegen wurden in Verfolgung unserer seit Jahren betriebenen Politik der Vorsorge wiederum kräftig verstärkt“. Die stillen Reserven sind – so ist aus dem Geschäftsbericht zu entnehmen – um einen Betrag erhöht worden, der die vorjährige Zuweisung an die offenen Rücklagen von 2 Mill. „erheblich“ übersteigt. Die Gefahr, daß durch eine solche Politik die Bilanzrelationen, insbesondere das Verhältnis des ausgewiesenen Eigenkapitals zu der Bilanzsumme, auf eine „schiefe“ Bahn geraten würden, besteht vorerst nicht, denn noch immer machen die ausgewiesenen Eigenmittel 5,64 (6,11) % der auf 1 152 (1 065) Mill. DM gestiegenen Bilanzsumme aus. K. W.